3. Kirchen

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Pfingstkirche, Berlin-Friedrichshain

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Die Pfingstkirche (1908) im heutigen Zustand
Foto: Erika Grünewald

Im Jahr 1908 wurde die von den Architekten Werner und Kröger entworfene Ev. Pfingstkirche eingeweiht. Sie ist die Tochtergemeinde einer Tochtergemeinde (Auferstehungskirche) der Markusgemeinde und weist damit hin auf die rapide wachsende Bevölkerung in Berlin hin. Sie wurde im 2. Weltkrieg beschädigt und lässt heute die damalige Ausmalung nur noch hier und da erahnen.

Äußerlich erscheint die Pfingstkirche als ein weiteres Beispiel der historisierenden Backsteingotik des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Details zeigen, jedoch, wie sehr sie bereits dem Jugendstil verpflichtet ist.

pfingst-web-weinblatt-p1030.jpg Die Weinblätter und Trauben (entstammen dem Taufbecken) sind vom Gegenstand her traditionell, in der Form jedoch gehören sie bereits dem Jugendstil an. Deutlich zu erkennen ist das an der langgezogenen Blattrispe, die von unten links nach oben links in einem vollen Bogen steigt und mit einer geschwungenen Kurve wieder nach unten Rechts fällt. Dort unten läuft sie mit einer Rolle wieder zusammen. Der Rest des Blatts füllt den unteren Drittel des Feldes komplett aus. Auch der Engel am Portal zeigt in der liebevollen Rosendickicht hinter ihm den Geschmack des Jugendstils. Über dem Kopf des Engels sieht man erneut den Kielbogen, der bereits von Weitem das große Fenster über dem Portal klar kennzeichnet und die Fassade dominiert und gliedert. Er wird hier wieder aufgegriffen [s. hierzu 2.7.a.].pfingst-web-portalengel-p10.jpg

Geschrieben von Grünewald am 26. January 2013 | Abgelegt unter 1908 Pfingst | Keine Kommentare

Cross Roads Berlin “Kirche im Aufbruch” des Monats 1/13

Tolerantes Berlin?

Projekt des Monats Januar der Internetplattform „Kirche im Aufbruch“

 

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Der Französischer Dom am Gendarmenmarkt, Berlin
 Foto: Cross Roads

Im Laufe des Jahres 2013 wird das Jahresthema „Toleranz“ auf der Internetplattform „Kirche im Aufbruch“ im Lichte von 12 Monatsthemen beleuchtet werden. Unter jedem dieser Monatsthemen kann neu bedacht werden, wo wir Toleranz einüben können. Nach dem Thema „Ruhe“ im Dezember ist im Januar das Thema „Bewegung“ an der Reihe. Die konzentrierte Muße in einem Kloster, die Geschwindigkeit beim Spielen von Computerspielen – Bewegung kann langsam oder schnell sein. An manchen Tagen sind wir selber stärker in äußerer Bewegung, manchmal versetzt uns etwas stärker in innere Bewegung. An manchen Tagen verspüren wir Ungeduld mit der Langsamkeit der anderen, an manchen Tagen geht uns alles zu schnell. Toleranz ist gefragt, gegenüber anderen, aber auch gegenüber uns selbst.

Wir stellen in diesem Monat Projekte vor, in denen Kirche, die manchmal etwas zu statisch ist, in Bewegung gerät und sich auf den Weg macht, andere in Bewegung zu versetzen.

Das Themenjahr „Reformation und Toleranz“ ruft dazu auf, sich aufzumachen und neue Wege zu beschreiten. Auf diesen Wegen liegen Erfahrungen mit dem Anderen, mit fremden Kulturen und Religionen. Die Wege können dabei auch in die Vergangenheit führen. Wie tolerant waren die Generationen vor uns? Welches Erbe haben sie uns hinterlassen? Eine Stadtführung in Berlin macht sich auf den Weg. Sie verweist auf Orte von historischer und politischer Bedeutung und setzt sich damit auseinander, wie tolerant Berlin tatsächlich war und ist.

Die Stadt hat Zuwanderern und Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt worden, schon lange vor unserer Zeit Zuflucht gewährt: Der Französische Dom am Gendarmenmarkt gab seit Anfang des 18. Jahrhunderts den protestantischen Hugenotten nach ihrer Vertreibung eine neue Heimat. Ganz in der Nähe erhielten die katholischen Zuwanderer aus Schlesien etwa 50 Jahre später von Friedrich dem Großen die Hedwigskathedrale als Gottesdienstort. Ein paar hundert Meter weiter konnte die Jüdische Gemeinde zu Berlin nach Jahrhunderten der Verfolgung ihre erste Synagoge 1714 eröffnen.

Zwischen diesen Orten liegt der Bebelplatz, seit der von den Nationalsozialisten inszenierten „Bücherverbrennung“ im Mai 1933 ein Synonym für menschenverachtende Intoleranz. Unzählige Bücher von Karl Marx, Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Siegmund Freud und anderen Autoren mit angeblich „undeutschem Geist“ wurden ins Feuer geworfen.

Den Abschluss der Führung bildete die Vorstellung des geplanten interreligiösen Bet- und Lehrhauses am Petriplatz. Hier entsteht etwas ganz Neues: ein Gotteshaus, das die drei monotheistischen Religionen Judentum, Islam und Christentum gemeinsam konzipieren, bauen, verantworten und betreiben, ohne ihre je eigenen Identitäten zu vermischen.

Ein Gotteshaus, das für die drei Religionen drei getrennte Sakralräume für das je eigene gottesdienstliche Handeln und einen gemeinsamen Bereich für Gespräch und Lehre enthält. Ein Gotteshaus, das dem wachsenden Bedürfnis nach einem Miteinander von Menschen unterschiedlicher religiöser oder weltanschaulicher Prägung auch in räumlicher Hinsicht gerecht zu werden versucht. Gründungsmitglieder des Trägervereins sind die Jüdische Gemeinde zu Berlin, das Abraham-Geiger-Kolleg Potsdam, das Forum für interkulturellen Dialog e.V. (als muslimischer Partner), der Evang. Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte, die Evang. Kirchengemeinde St. Petri – St. Marien und das Land Berlin.

Der Stadtspaziergang am Neujahrstag war eine der ersten Veranstaltungen im Rahmen des Themenjahres ” Reformation  und Toleranz.” Er wurde veranstaltet von „Cross Roads“. Die Agentur für Stadtführungen des Kirchenkreises Berlin-Mitte hat sich darauf spezialisiert, Berlin seinen Besuchern „mit evangelischen Augen“ zu präsentieren.

Geschrieben von Grünewald am 24. January 2013 | Abgelegt unter Berlin | Keine Kommentare

Zionskirche, Berlin-Mitte

Kirchenpädagogen/Kirchenführer tun sich zunächst mit Kirchen des 19. Jahrhunderts schwer. Die nachfolgenden Bilder sollen helfen, sie näher kennenzulernen.

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 Die Zionskirche (August Orth), bereits 1864 begonnen, wurde auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten erst 1873 eingeweiht. Somit widerspiegelt sie stärker die Schinkel-Nachfolge als die Gründerzeit. Die Kompaktheit der Kirche ist jedoch ein Merkmal des 19. Jahrhunderts, etwas, was sich aus der Frontalsicht gut zeigt. Die Bauteile, die sich aus der Schrägsicht (links) aufgefächert zeigen, erscheinen als eine einzige Baumasse. Diese Qualität wird gern der Romanik zugeschrieben, hat aber nur wenig mit dem späteren Historismus zu tun, bei dem die einzelnen Formen akkurat kopiert werden.

zion-web-altarraum-p1060394.jpgDer gesamte Innenraum ist von einer Empore umschlossen, auch der Chorraum. Hinter dem Altar führen Treppen nach unten und nach außen, aber auch an der Treppe gibt es interessante Details zu entdecken. Die Umfassung des Innenraums mit einer Empore ist der Suche nach dem evangelischen Predigtraum geschuldet. Neben dem Eisenacher Regulativ von 1861 gab es nach wie vor der Wunsch, sich von der eher als katholisch empfundenen Längskirche zu unterscheiden. Diese Suche wird lange andauern, über die Wiesbadener Reform bis zu Bartnings Sternkirche und die Weimarer Republik.

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Blattmaske unter einer Konsole der Zionskirche in Berlin-Stadtmitte (ca. 1873)

 Foto: Erika Grünewald

Die Blattmaske begegnet uns häufig in Kirchen (bekanntestes Beispiel: die Konsole des Reiters im Bamberger Dom). Der Kirchenpädagoge/Kirchenführer schaut eine Konsole  oder ein Kapitell an und bekommt plötzlich das Gefühl, die Konsole schaut zurück. Haare und Bart oder sogar das gesamte Gesicht werden von Akanthusblättern gebildet. Blattmasken sind keine rein christliche Erfindung, Beispiele sind bereits in der römischen Antike zu finden. Blattmasken wurden bis in die Renaissance als architektonische Zierde eingesetzt, verschwinden dann während des Barocks und der Aufklärung. Zur Zeit der deutschen Romantik lebten sie wieder auf, bei der Waldromantik und der Liebe zu gotisch-mystisch Alternativformen von Seelen unschwer vorstellbar.

Auch wenn es reizvoll ist, den Blattmasken eine besondere Bedeutung zukommen zu lassen, sind sie keiner nachweisbaren Ikonographie zuzuordnen.

Kirchenraumpädagogen und Kirchenführer können vielfach auf Blattmasken hinweisen – auf Konsolen, Kapitellen, Agraffen, im Chorgestühl. Für die kirchenpädagogische Arbeit mit Kindern stellen sie eine amüsante Quelle für Such- und Arbeitsmöglichkeiten dar.

zion-web-ausen-tempel-tor-p.jpgZwei Merkmale weisen auf Schinkel und auf einen Relikt des Klassizismus hin. Die Außenseite der Zionskirche zeigt Blindnischen in der Form von Toren zu antiken Tempeln. Sie haben keine Funktion außer der reinen Dekoration. Auf der Giebelspitze steht eine Palmette – wie zu antiken Zeiten – in der  von Schinkel bevorzugten, wohl von ihm selbst entworfenen Form.

Geschrieben von Grünewald am 23. January 2013 | Abgelegt unter 1864-73 Zion | Keine Kommentare

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