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Barock – die Kunst der Gegenreformation

Eine für Kirchenpädagogen und Kirchenraumpädagogen schwierige Epoche ist der Barock. Um diese Kunst zu verstehen hilft es, deren Intension zu verstehen. 

Unter dem Einfluss des Calvinismus wurden viele Kunstwerke und Altäre im Bildersturm zerstört. Dort, wo Katholizismus nach den kriegerischen Auseinandersetzungen wieder Fuß fasste, wurden diese Kunstwerke ersetzt. Neuartige Kunstwerke sollte die Glaubensinhalte der katholischen Kirche transportieren (durch das Konzil von Trient beschlossen)

  • das Fegefeuer ist der Leidensort der Sünder;
  • Strafablass kann durch gute Werke erreicht werden;
  • die Heiligen haben eine Vermittlungsfunktion zwischen Gott und Mensch.

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Ein Engel begrüßt das Licht

 Somit diente die Kunst als ein Instrument der Gegenreformation und der katholischen Dogmen. Profane Themen wurden überhaupt nicht in den Kirchen erlaubt, was allerdings dazu führte, dass viele Szenen in einem genre-ähnlichen oder bäuerlichen Kontext dargestellt wurden. Die Inhalte bezogen sich auf das Marienleben, auf das Leben Jesu, auf das Leben der Heiligen und die Verherrlichung des Kreuzes (für Protestanten war das Kreuz lediglich ein Passionswerkzeug wie die Leiter, das Schwamm oder die Säule, jedoch nicht in sich heilig und heilbringend). Die Kunst sollte den unbedingten Machtanspruch der katholischen Kirche aufzeigen und ihr Erlösungsversprechen dramatisch vor Augen führen.

 In ihrer Darstellungsweise sollten die Kunstwerke

  • klar und verständlich sein;
  • realistisch sein;
  • und den Betrachter gefühlsmäßig ansprechen.

 In den Bildern wie im Gesamtkunstwerk (Bau, Plastik und Malerei zu einem Gesamteindruck vereint) spielte auch das Licht eine besondere Rolle. Licht entsprang geheimnisvoller Quellen, deutete göttliche Präsenz oder himmlisches Wirken an. Der Glanz des Goldes wurde zum Glanz des Himmels (anders als im Mittelalter, wo der „Goldgrund“ eine Ortsangabe war, der Ort, wo sich die Heiligen aufhielten).

Obwohl zunächst eine Kunst für die katholische Kirche, wurde der Barock gemeinhin populär und auch von der lutherischen Kirche übernommen, wenngleich mit veränderten und reduzierten Inhalten.

Geschrieben von Grünewald am 23. September 2010 | Abgelegt unter Beiträge | Keine Kommentare

“Tod” im Barock – eine kurze Darstellung für die Kirchenpädagogik

Himmel hoch jauchzend – zu Tode betrübt.

Zwischen diesen beide Extremen bewegt sich viel Kunst der Barockzeit. Nicht allein der Dreißigjährige Krieg an sich, sondern auch die Tatsache, dass die medizinische Versorgung äußerst rudimentär war, haben die Schrecken des Todes stets vor Augen gehalten. Das Hauptwerkzeug des Feldchirurgen war die Knochensäge – ohne Betäubungsmittel. Kam Wundbrand auf, gab es keine Hoffnung. Zudem grassierte einmal mehr die Pest. Der einfache Soldat wurde meistens auf dem Schlachtfeld vergraben, ohne bleibendes Grabmal. Erst im 19. Jahrhundert erreichte das wachsende Bewusstsein der bürgerlichen Bevölkerung, dass den Verstorbenen zumindest ein Gedenkort errichtet wurde – die Tafel der Gefallenen, die noch heute in vielen Kirchen zu sehen sind. Sie werden aus heutiger Sicht als “kriegsverherrlichend” abgelehnt, werden nach ausschließlich jener Auffassung jedoch falsch verstanden. Sie stellen die erste Möglichkeit der breiten Bevölkerung, endlich einen Ort der Trauer zu haben.

Bei der unten stehenden Todesdarstellung handelt es sich um den Tod einer Ehefrau, die in 16 Jahren Ehe 11 Kinder geboren hatte – von denen 7 bereits vor ihr gestorben waren. Vielerorts gab man dem Neugeborenen erst nach zwei Jahren einen Namen – wenn man sicher war, dass es überleben würde. Umgekehrt erreichte die überwiegende Zahl der Kinder ihre Volljährigkeit als Halb- oder Vollwaisen. Zu Zeiten Louis XIV betrug die Lebenserwartung 25 Jahre.

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Todesdarstellung auf einem Epitaph der St. Marienkirche, Berlin

Auf der anderen Seite ist eine geradezu obsessive Beschäftigung mit der Todessymbolik auffällig. Die unter “memento mori” Den ganzen Beitrag lesen »

Geschrieben von Grünewald am 2. September 2009 | Abgelegt unter Beiträge | Keine Kommentare

Arbeiten mit Epitaphen

Zahlreiche Epitaphe der Barockzeit können noch heute in Kirchen bewundert werden. Üppige oder gar dramatische Texte preisen den Verstorbenen, Totenschädel, Sanduhren und Mahnwerk erinnern an die Allgegenwart des Todes. Ein Urwald an Blättern umgibt sie. Beim näheren Hinschauen sind dies häufig Lorbeerblätter, die auf den Ruhm des Verstorbenen hinweisen. Kirchenpädagogisch können diese komplexen Gebilde vermittelt werden, wenn man sie in Einzelteile herunterbricht. Hier ein Malblatt, das einen Epitaph der St. Marienkirche in Berlin wiedergibt.

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Geschrieben von Grünewald am 26. June 2009 | Abgelegt unter Beiträge,Epitaphe | Keine Kommentare