Gottesbild in der Kunst

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Crucifixus

Dokumentation des Kreuzes von Jan Koblasa, Paul-Gerhardt-Kirche, Kiel

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“Kopf ohne Mund. 12 Nägel im Kopf. Gottesknecht.”

Hrsg. Helge Adolphsen und Helmut Disselbeck

Im Jahr 2009 hat die Gemeinde der Paul-Gerhardt-Kirche in Kiel ein schlankes Buch herausgegeben, das über keine ISBN verfügt, offenkundig nur für eine kleine Gemeinschaft der Freunde, Förderer und Sponsoren gedacht. Dabei dokumentiert es das 25-jährige Jubiläum der Errichtung eines der herausragendsten und zugleich provokantesten Kruzifixe der jüngeren Kunst. Die fehlenden Arme Christi wurden als brutale Verstümmlung empfunden, das fehlende Lendentuch schockierte die Gemeinde (die Leiblichkeit Christi wird überhaupt nicht thematisiert). Anstatt eines liebreizend Leidenden, anstatt einer Figur, die zu nichts herausfordert, ist ein Christus entstanden, der zu Wahrnehmung auffordert, zur Stellungnahme zwingt. Sowohl die “Meditative Predigt” von Henneke Gülzow, die zur Osternacht 1983 gehalten wurde, als das Kruzifix der Gemeinde übergeben wurde, als auch die Worte zum “Skandal des Kreuzes”von Helge Adolphsen gaben erste Reaktionen auf das Kunstwerk, pastoral und ikonographisch zugleich.

Es ist empfehlenswert, das Buch über das Internet zu beschaffen. Die Beiträge zeigen auf, wie die Gemeinde eines nichtssagenden Raumes (1959) nach Definition sucht und auf die Idee kommt, ein raumhohes Kruzifix in Auftrag zu geben. Die 51 Seiten dokumentieren wie Künstler und Gemeinde um die Idee ringen, wie das Werk installiert – und später sowohl angefochten als angenommen wird. Wer in Kiel ist, sollte den Versuch machen, die Paul-Gerhardt-Kirche aufzusuchen.

Geschrieben von Grünewald am 1. May 2012 | Abgelegt unter Gottesbild in der Kunst | Keine Kommentare