1835 St. Johannis

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St. Johannis, Berlin-Moabit, 1832-1935

Nach einem Entwurf von Karl-Friedrich Schinkel wurde die St. Johannis-Kirche als einschiffige Hallenkirche gebaut; sie zählt zu den vier sogenannten Vorstadt-Kirchen Schinkels in Berlin. Die Schinkel Kirche erfuhr jedoch einschneidende Erweiterungen und Umbauten, so dass der Charakter als eine “Schinkel Kirche” von Kirchenpädagogen und Kirchenführern gesucht werden muss, bevor sie diese Wurzel erkennen können.

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Das heutige Erscheinungsbild der St. Johannis-Kirche, Berlin-Moabit
Fotos: Erika Grünewald

Geschrieben von Grünewald am 27. January 2013 | Abgelegt unter 1835 St. Johannis | Keine Kommentare

Kirchenpädagogik in reduzierten Räumen. Die Suche nach Themen.

Kirchenpädagogen / Kirchenraumpädagogen stehen immer wieder vor einer Herausforderung bei der Arbeit in “reduzierten” Räumen. Immer wieder wurden reich verzierte Räume nach dem Zweiten Weltkrieg vereinfachend übermalt oder wieder in Stand gesetzt. Als Grund werden noch heute die fehlenden Gelder der Nachkriegszeit genannt. Weniger bekannt ist, dass bauliche Reduktion, die Vereinfachung in Form und Ausstattung des Kirchenraums, bereits mit Schinkel begann und gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung gewann.

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 Matthäus-Symbol, St. Johannis-Kirche, Berlin-Moabit

Foto: Erika Grünewald

Schinkel hatte die Johannis-Kirche in Moabit als eine seiner vier “Vorstadt-Kirchen” in Berlin als einfachen Kasten gebaut, ausgeschmückt und ohne einen Turm. Zwei weitere Kirchen, die Elizabethenkirche (Prenzlauer Berg) und die Nazareth-Kirche (Wedding) sind stark zerstört bzw. entwidmet. Die Paulskirche vermittelt noch eine Idee des ursprünglichen Gedanken des Erbauers. Als die Arbeiterschaft in Berlin-Moabit stark anstieg, wurden Ergänzungen nötig.  Stüler schuf eine Vorhalle, ein Pfarrhaus (links), ein Schulhaus (rechts) sowie eine Kolonnade vor der Kirche, die alles optisch verband. Als Turm errichtete Stüler ein Campanile neben der Kolonnade. Spitta baute den Innenraum um: er verlängerte den relativ kurzen Schinkelbau mit einem Querarm, vor dem ein Rundapsis in Verlängerung des Hauptschiffes angesetzt wurde. Auch das Dach wurde angehoben und mit damals aktuellen Formen (Gusseisen in den Querbindern) versehen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt. Als 1957 Otto Bartning nicht weit entfernt den Hansaviertel plante und beaufsichtigte, hat man ihn dafür gewinnen können, auch die Johanniskirche wieder herzustellen. Entstanden ist ein Raum, der durch kühle Eleganz, raffinierte Ausgewogenheit der Bauelemente und gekonnte Lichtführung besticht. Die Apsis musste gekürzt werden, da auf der Rückseite ein anderes Gebäude errichtet wurde, aber die Seitenschiffe Spittas wurden beibehalten und in Farbe und Form in den Hauptraum integriert. Wer heute im Dach eine Ähnlichkeit zu den Dächern von Bartnings Notkirchen sieht, täuscht sich nicht. Die Querbinder haben dieselbe Form und Bauweise wie sie. Bei der Höhe der Decke vermittelt die dunkle Farbgebung dem Raum eine gewisse Geborgenheit – ein Element der späteren Zeltkirchen, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Wanderschaft der Christen anspielt.

Geschrieben von Grünewald am 19. January 2013 | Abgelegt unter 1835 St. Johannis | Keine Kommentare