2.2. Gotik

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Fachtagung: Mittelalterliche Wandmalereien

 Demerthin war, wie viele Dörfer in der Prignitz, bis 1945 über Jahrhunderte lang geprägt durch die Gutsherrschaft. Seit der Zeit schon vor 1438 lag das Gut in der Hand der Familie von Klitzing, die 1604 das Schloss so errichten ließ, wie es auch heute noch – zumindest von außen – in Erscheinung tritt. Als Patronatsfamilie waren die Klitzings für die Dorfkirche und damit auch für die Entstehung der spätmittelalterlichen Wandmalereien in der Kirche verantwortlich. Nachkommen der Familie, vereint im v. Klitzing‘schen Familienverein, haben unlängst eine Dokumentation und Publikation über diese Wandmalereien initiiert und zusammen mit dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. und der Studienstiftung Dr. Czubatynski ermöglicht. Die Herausgabe der Broschüre „Die spätmittelalterlichen Wandmalereien in der Dorfkirche zu Demerthin“ im Lukas Verlag gab den Anstoß für diese Fachtagung. Aus Anlass der Tagung soll auch das Schloss Demerthin erneut in den Blick genommen und auf eine noch immer ausstehende, angemessene Nutzung hingewiesen werden.

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In zahlreichen Kirchen Nordost- und Mitteldeutschlands finden sich bedeutende Wandmalereien aus mittelalterlicher Zeit. Kaum eine Kunstgattung ist in ähnlichem Umfang erhalten, blieb aber großenteils unbekannt. Zyklen wie der jüngst durch eine Publikation in den Fokus gerückte in der Dorfkirche zu Demerthin (spätes 15. Jh.) zeugen von der ikonographischen und künstlerischen Vielschichtigkeit; sie haben für die kunst-, landes- und frömmigkeitsgeschichtliche Forschung viel zu bieten. In der Tagung werden ausgewählte und großenteils unbekannte Wandmalereien vorgestellt. Neben Berichten aus laufenden Forschungs- und Erfassungsprojekten wird auch die Erhaltung und Konservierung der Wandmalereien ein wichtiges Thema sein.

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Geschrieben von Grünewald am 14. May 2015 | Abgelegt unter 3.2. Erschließung einer Kirche,Beiträge | Keine Kommentare

Zwischen Himmel und Hölle. Kunst des Mittelalters von der Gotik bis Baldung Grien

Eine Ausstellung im Bucerius Kunst-Forum zeigte Gemälde, Glasmalereien und Skulpturen aus der Zeit vor 1500. Die Werke, im Katalog noch zu sehen, bieten Einblicke in das Lebensgefühl der mittelalterlichen Menschen, die sich zwischen Himmel und Hölle, zwischen Erlösung und Verdammnis sahen. Besonders das große Gemälde aus der Werkstatt Martin Schaffners stellte mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts dem Betrachter die Alternative von Paradies und Fegefeuer vor Augen.

 

Baldung Grien Schmerzensmann        Grabtragung St. Ursula

Hans Baldung Grien, Schmerzensmann, von Maria und Engeln beweint, 1513 (links) sowie die Grabtragung der hl. Ursula, Oberrhein (Colmar?), um 1440/145, Abb. aus dem Katalog

Eine süddeutsche Christusskulptur aus dem 12. Jahrhundert sowie die große Sandsteinfigur einer Schutzmantelmadonna von etwa 1360 aus dem Freiburger Münster zeigen eine noch verhältnismäßig ruhige Kunst. Doch gegen Ende des Mittelalters verdeutlichen bspw. der dreiteilige Passions-Altar des Hausbuchmeisters (tätig um 1470-1505) und drei Gemälde von Hans Baldung Grien (1484/85-1545) eine zunehmend intensive Emotionalität und eine Überladung des Kunstwerks mit vielen Details und überhöhten Ausdrucksweisen. Besonders die intensive Farbigkeit von Hans Baldung Grien verblüffte sowohl seine Zeitgenossen als auch den heutigen Betrachter durch seine Modernität.

 

Diese späten Werke des Mittelalters stoßen vor bis zur Reformation, die nicht nur die evangelischen Kirchen hervorgebracht hat, sondern auch ein verändertes Kunstverständnis. Die Lutherdekade entdeckt die lutherischen Bekenntnisbilder und Reformationsdidaktik des 16. Jahrhunderts wieder, aber zu verstehen ist das Zeitalter nur vor dem Hintergrund der Kunst, die ihm voraus gegangen ist.

 

Die Kunst des Mittelalters ist für viele Kirchenpädagogen schwer zu entziffern. Der Katalog der bereits beendeten Ausstellung bietet Einblicke in die Religiosität und Intention dieser Zeit.

 

Zwischen Himmel und Hölle: Kunst des Mittelalters von der Gotik bis Baldung Grien.

Hirmer Verlag, 256 Seiten, ISBN-13: 978-3777422015,  EUR 39,90

 

 

Geschrieben von Grünewald am 9. December 2009 | Abgelegt unter Bücher | Keine Kommentare

Löwe im Gestühl – Kirchenpädagogik in Detail

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Foto: Grünewald

Der Evangelist Markus zwischen Ungeheuern

Dieser geschnitzte Löwe aus dem Jahr 1509 ziert eine Stuhlwange der Klosterkirche Bordesholm. Die Figur des Tieres greift auf den ihn einschließenden Kreis über, ein Zeichen seiner Kraft über die ihn umgebenden Ungeheuer, womöglich Seeungeheuer. Die Tatzen des Löwen sowie sein Kopf deuten darauf hin, dass kein echter Löwe als Vorbild diente, sondern Berichte und Erzählungen; die Mähne gleicht eher einer Halskrause als einer Löwenmähne. Die Klosterkirche Bordesholm, eine dreischiffige Hallenkirche aus Backstein, wurde 1309 begonnen und 1332 geweiht. Sie wurde mehrmals ergänzt und erweitert. Das Chorgestühl stammt aus dem Jahr 1509, dem Ende einer Verlängerung des Baus um zwei Joche (1490 bis 1509). Die Sitze sind in zwei Gruppen geteilt, die den Chorraum flankieren. Jeder der 30 Klappsitze hat ein eigenes Rückenfeld mit darüber liegender Maßwerkstirn. Die resultierenden vier Stuhlwangen sind jeweils mit einem der vier Evangelistensymbole versehen. Der Löwe ist das Symbol des Evangelisten Markus.

Kirchenpädagogen können ein solches Detail einbinden durch die Suche nach Symbolen, aber auch durch das Gespräch über unsere heutigen Symbole für Gut und Böse. Für kleinere Besucher kann die Darstellung in ein Malblatt übersetzt werden oder in Elemente zum Ausschneiden und auf ein anderes Blatt aufkleben.

Geschrieben von Grünewald am 12. February 2008 | Abgelegt unter Bilder | Keine Kommentare