2.7. 20. Jahrhundert

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Die Gustav-Adolf-Kirche in Berlin-Charlottenburg und ihr Architekt Otto Bartning

Im Herbst 2009 ist eine Festschrift zum 75. Jahrestag der Einweihung der Gustav-Adolf-Kirche in Berlin-Charlottenburg, des “hervorragendsten und überzeugendsten Beispiels für die Berliner Kirchenbaukunst zwischen den Kriegen”, herausgegeben worden. In mühevoller Liebe zum Detail sind Fotos der Kirche im Originalzustand,  nach der Zerstörung im Krieg sowie nach dem Wiederaufbau zusammengetragen worden. Wertvolle Bestände von unterschiedlichen Hölzern und farbig glasierten Kacheln sind für immer verloren, aber die wieder hergestellte Kirche verdeutlicht die Nähe des fünfzigjährigen Bartnings zum farbenfrohen Expressionismus, und die vielen Farbfotos sind zugleich ein Augenschmaus. Selbst unter Anwendung anderer Materialien ist der Versuch spürbar, im renovierten Zustand das originäre Raumgefühl zu erhalten.

Gustav-Adolf

 Das Buch ist weit mehr als eine Ansammlung von Fotos. Sechs Rubriken berichten u.a. über die Erfahrungen der Gemeinde mit der avantgardistischen Gustav-Adolf-Kirche, über den Platz, den die Kirche im Leben Otto Bartnings einnahm, über das Leben von Bartning selbst, den bedeutendsten evangelischen Architekt des 20. Jahrhunderts. Die Beiträge sind gut geordnet, klar geschrieben und kurzweilig.

Für Kirchenpädagogen, die sich für die Kunst und Kirchen der Weimarer Republik interessieren – die Kirche wurde zwar 1933 geweiht, doch die früher fertiggestellten Pläne blieben unverändert – liefert das Buch Einsichten in die Zeit und den Geist des Kirchenbaus der frühen 30er Jahre.

Die Gustav-Adolf-Kirche in Berlin-Charlottenburg und ihr Architekt Otto Bartning. Festschrift zum 75. Jahrestag der Einweihung.

Herausgeber: Ev. Gustav-Adolf-Kirchengemeinde mit der Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau (OBAK)

Berlin: 2009, 9,50 € im Handel, bei der Gemeinde und der OBAK [Dietzgenstraße 92, 13156 Berlin-Pankow, bartning-kirchen@gmx.de]

Geschrieben von Grünewald am 16. January 2010 | Abgelegt unter b. 1918-1933 | Keine Kommentare

Vorkriegsformen in Nachkriegskirchen

Um den Bedarf an Kirchen nach den Zerstörungen und Völkerverschiebungen am Ende des Zweiten Weltkriegs abzudecken, wurden Ideen aufgegriffen, die bereits vor 1933 entstanden. Das Resultat waren Kirchen, die, heute betrachtet, bisweilen befremden. Beim Wettbewerb mit der Industrie um die Höhe im städtischen Profil griffen Architekten der 20er Jahren zu Formen, die der Industrie selbst entstammten. Entwürfe für Glockentürme, beispielsweise, zeigen Designs, die sich von  Kohlefördertürmen kaum unterscheiden. Andere griffen unverhohlen zum Schornstein. Diese Entwürfe überlebten den Zweiten Weltkrieg in Schubladen und tauchten in Nachkriegskirchen wieder auf. Für die Kirchenpädagogik stellt sich somit das Datieren einer Kirche als Problem dar. Das nachfolgende Beispiel zeigt die Kirche Zu den Zwölf Aposteln in Hamburg-Lurup. Sie wurde 1957/58 vom Architekten F. Kraft errichtet und mit Glasfenster von Siegfried Assmann ausgestattet. Gleichzeitig zeigt der Glockenturm über deutlich die Entlehnung aus der industriellen Formsprache.

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Zu den Zwölf Aposteln, Hamburg-Lurup, 1957/58, Architekt F. Kraft 

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Trapezförmige Decke im Innenraum der Kirche Zu den Zwölf Aposteln

Aber auch andere Teile der Kirche kommen direkt vom Reißbrett der 20er Jahre. Expressionistische Elemente, in ihrer Eignung als würdige Formen für eine Gotteshaus heiß umstritten, prägen ebenfalls den Kirchenbau. Die trapezförmige Decke wurde 1926 von Emil Heynen für die Heilandskirche in Hamburg-Winterhude verwendet und ein Jahr später in der Bugenhagenkirche in Hamburg-Barmbek. Sie erzeugten einen Aufschrei sowohl der Begeisterung als auch der Empörung, denn sie wurde mit einem Tanzsaal oder Kino verglichen. Die Luruper Kirche greift die Trapezform wieder auf. Heynen hat Betonquerbinder verwendet, um den Einraum zu erzeugen. Heute sind wir an diese strukturelle Möglichkeit derart gewöhnt, dass uns der Blick für die bahnbrechende Neuigkeit der 20er Jahre verstellt ist.


 

 

Geschrieben von Grünewald am 29. August 2009 | Abgelegt unter d. ab 1948 | Keine Kommentare

Moderne Kirchen erschließen

Moderne Kirchen – bilderlose Räume – stellen uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Die folgenden Schritte, die in der Neuen St. Nikolai-Kirche in Hamburg-Harvestehude über mehrere Jahre entwickelt wurden, zeigen einen neuen Zugang zum Kirchenraum. Sie orientieren sich nicht an herkömmliche Methoden der Symbolzuordnung oder Raumausmessung. Sie zeigen die Kirche als einen Raum, der in komplexer Weise zur Sprache kommt.

Bereits die Lage der Kirche lässt die übliche Außenbegehung nicht zu. Die Nikolai-Kirche von Gerhard Langmaack liegt weder in der Straßenflucht, noch kann man sie umschreiten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sie 1960 in einem alten Wohnviertel “auf Lücke” gebaut. Das bedeutet, dass andere Themen gesucht werden müssen.

Nikolai-außen-web     Nikolai-Chorraum

Die Nikolai-Kirche ist ein Raum voller SPRACHE.

Geschrieben von Grünewald am 7. June 2009 | Abgelegt unter 1960 Neue Nikolai,d. ab 1948 | Keine Kommentare

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