Die Sprache moderner Kunst

Die Ikonographie des 20. Jahrhunderts hat sich grundlegend weg von der Ikonographie des Mittelalters entwickelt. Das ist mitunter was sie so komplex macht. Nicht festgelegte Inhalte werden durch festgelegte Formen transportiert, sondern Gefühle, Emotionen, Anmutungen fließen seitens des Betrachters mit ein, um eine persönliche Ikonographie zu erzeugen. Ein solch offenes Gespräch kirchenpädagogisch zu begleiten ist schwierig, weil es keine festgelegte Antworten gibt. Es ist aber zugleich anregend, weil man so einen Zugang zur persönlichen Beziehung zu den Inhalten, zum Glauben, zur Kirche allgemein öffnet.

Nikolai Christus

 Ecce Homines von Oskar Kokoschka, Nikolai-Kirche, Hamburg. Foto: Erika Grünewald

Kokoschka hatte zum Thema “Kreuzigung” bereits ein früheres Mosaik geschaffen, “Ecce Homo”, das im ausgebrannten Turm der Alten Nikolai-Kirche am Hopfenmarkt hängt. Im ersten Bild, das übrigens schwarz-weiß gefasst wurde, entsprechen sowohl die Stellung sowohl des Kreuzes als auch die der Schächer der traditionellen Ikonographie. In seinem zweiten Bild, dass Kokoschka nicht mehr “Ecce Homo” (Seht, welch ein Mensch), sondern “Ecce Homines” (Seht, so sind die Menschen) betitelte, werden Größe wie auch  Gleichgültigkeit des Schächers betonter und damit zum Mittelpunkt der Aussage. Der am Kreuz hängende Christus geriet eher in die zweite Reihe.

Man kann die Theologie hierzu auslegen: Nicht Gott wollte, dass Jesus so stirbt, sondern  die Menschen haben seine Aussagen und seine Nähe zu Gott nicht ertragen und erhofft, beides hiermit aus der Welt zu schaffen. Kirchenpädagogisch kann man dieses Bild nicht mehr über Gegenstände und tradierte Ikonographie erschließen, sondern ermutigt ein Gespräch über die menschliche Natur, über Gleichgültigkeit und die Botschaft, die der christliche Glaube für den Menschen bereit hält.

Grünewald 27. June 2009 1960 Neue Nikolai Keine Kommentare Trackback URI

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