“Tod” im Barock – eine kurze Darstellung für die Kirchenpädagogik

Himmel hoch jauchzend – zu Tode betrübt.

Zwischen diesen beide Extremen bewegt sich viel Kunst der Barockzeit. Nicht allein der Dreißigjährige Krieg an sich, sondern auch die Tatsache, dass die medizinische Versorgung äußerst rudimentär war, haben die Schrecken des Todes stets vor Augen gehalten. Das Hauptwerkzeug des Feldchirurgen war die Knochensäge – ohne Betäubungsmittel. Kam Wundbrand auf, gab es keine Hoffnung. Zudem grassierte einmal mehr die Pest. Der einfache Soldat wurde meistens auf dem Schlachtfeld vergraben, ohne bleibendes Grabmal. Erst im 19. Jahrhundert erreichte das wachsende Bewusstsein der bürgerlichen Bevölkerung, dass den Verstorbenen zumindest ein Gedenkort errichtet wurde – die Tafel der Gefallenen, die noch heute in vielen Kirchen zu sehen sind. Sie werden aus heutiger Sicht als “kriegsverherrlichend” abgelehnt, werden nach ausschließlich jener Auffassung jedoch falsch verstanden. Sie stellen die erste Möglichkeit der breiten Bevölkerung, endlich einen Ort der Trauer zu haben.

Bei der unten stehenden Todesdarstellung handelt es sich um den Tod einer Ehefrau, die in 16 Jahren Ehe 11 Kinder geboren hatte – von denen 7 bereits vor ihr gestorben waren. Vielerorts gab man dem Neugeborenen erst nach zwei Jahren einen Namen – wenn man sicher war, dass es überleben würde. Umgekehrt erreichte die überwiegende Zahl der Kinder ihre Volljährigkeit als Halb- oder Vollwaisen. Zu Zeiten Louis XIV betrug die Lebenserwartung 25 Jahre.

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Todesdarstellung auf einem Epitaph der St. Marienkirche, Berlin

Auf der anderen Seite ist eine geradezu obsessive Beschäftigung mit der Todessymbolik auffällig. Die unter “memento mori” bekannten Schädelbetrachtungen stellen das Gegenpol dar zu den Darstellungen religiöser Verzückung. Auf nahezu keinem Grabmal fehlen sie, zusammen mit Sense oder Sanduhr. Doch die Betrachtung einer Todessymbolik findet auch im Privaten statt. So gab es geschnitzte Särge – als Tischdekoration gedacht – die beim Öffnen eine fein bearbeitete Leiche im halb verwesten Zustand zeigten, samt zugehöriger Würmer.

Die Herkunft der vielfältigen Schädelbetrachtungen ist nicht eindeutig geklärt. Auf der einen Seite könnten sie ein Überbleibsel der überaus beliebten Totentanz-Darstellungen des späten Mittelalters sein, eine Reduktion auf das Wesentliche. Eine andere Möglichkeit ist, dass sie aus der Praxis der Alchemisten stammen, die in Schädeln Mixturen rührten, auf der Suche nach dem Elixier des ewigen Lebens. Auf das Grabmal übertragen, dürften die Schädel nicht als Zeichen des Todes, sondern als die des Ewigen Lebens verstanden werden, der Tegel, durch den man Unsterblichkeit erreicht.

Grünewald 2. September 2009 Beiträge Keine Kommentare Trackback URI

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