Kirchenpädagogik / Kirchenraumpädagogik in reformierten Kirchen

Kleine Kirchenkunde. Reformierte Kirchen von innen und außen

Alfred Rauhaus 

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Unter der Orgelempore schlichte Felder statt Bibelgeschichten. Auf dem Kanzelkorb leere Blindnischen, wo man vergeblich die Evangelisten sucht. Keine Engel, kein Kreuz, nicht einmal ein Altar. Warum sieht eine Reformierte Kirche so aus? Und – wie soll man dieser Kirche kirchenpädagogisch gerecht werden?

Dieser Blick richtet sich zu sehr auf das, was im Gegensatz zu einer lutherischen oder katholischen Kirche in einer reformierten Kirche fehlt. Ihm fehlt der Spürsinn für das, was vorhanden ist, vor allem dafür, warum es vorhanden ist. Doch eben darum geht es in der Kirchenpädagogik – worin wird der gelebte Glauben im Kirchenraum sichtbar?

Ein schlankes Buch ist soeben erschienen, das alle bereichern kann: Kleine Kirchenkunde. Reformierte Kirchen von innen und außen. Ein hilfreiches Werk für Lutheraner und Katholiken, die etwas hilflos vor diesem ungewohnten Anblick stehen und im Geiste anfangen, den Raum „auszukleiden“. Aber auch als Stütze für Reformierte, die sich dessen bewusst sind, dass ihnen die Leichtigkeit des Umgangs mit Plastiken und Gemälden nicht zur Verfügung steht. Mit Sensibilität und profunder Recherche führt Alfred Rauhaus aus, warum die 10 Gebote an prominenter Stelle hängen, es dafür aber keine Kerzen gibt. Er führt Stichwort für Stichwort die einzelnen Elemente im Kirchenraum in ihrer gewachsenen Geschichte vor, wie sie entstanden und warum sie in Kirchen der anderen Konfessionen vorzufinden sind – oder eben auch nicht. Somit ist die Lektüre nicht nur für den Besucher des reformierten Raumes bereichernd, sonst auch für diejenigen, die sich beispielsweise dafür interessieren, dass die roten Christbaumkugeln von heute ehemals die roten Äpfel des Paradieses sind, Requisiten der Paradiesspiele, die in der Adventzeit im Chorraum aufgeführt wurden.

 

Kleine Kirchenkunde. Reformierte Kirchen von innen und außen.

Alfred Rauhaus

Vandenhoeck & Ruprecht 2007, 148 S.

ISBN 987-3-525-63374-8, € 19,90

Grünewald 23. April 2010 Epitaphe,Kirchbaugeschichte Keine Kommentare Trackback URI

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