Moderne Kunst in den Kirchen

Hausschild, Kreuzigung

  Hausschild, Kreuzigung

Die Beziehung zwischen moderner Kunst und den Kirchen ist nicht einfach. Zumeist begegnen die Kirchen dem Ruf nach moderner Kunst damit, dass sie herausfordernde Kunst in befristeten Ausstellungen im Raum zulassen. Querulanten können mit dem Hinweis besänftigt werden, dass die Bilder, durch ungeübte Augen oft als anstößig oder zumindest nicht nachvollziehbar bewertet, ja bald wieder verschwinden. Besonders Skulpturen, die Besucher durch ihre Dreidimensionalität und die werkimmanente Einladung, sie zu umkreisen, vielfach betrachtet, analysiert und angenommen werden, müssen den Konzertstühlen bald wieder weichen.* Etwas einfacher haben es da die Glaskünstler, bei denen man mittlerweile eine gewisse Abstraktion in den Kirchenfenstern akzeptiert hat und denen man vorsichtshalber unterstellt, dass sie einen Glaubensbezug enthalten. Keine geringe Rolle dabei haben Schreiter (Gonsenheim, Göttingen u.v.m.), Richter (Kölner Dom) und eine Reihe anderer hervorragenden Glaskünstler gespielt.

Kirchenpädagogen und Kirchenraumpädagogen stehen mit diesen Kunstwerken, die sie nicht in ihr tägliches Führungsprogramm eingeplant haben, immer wieder vor dem Problem, dass die Besucher sich gern damit auseinandersetzen möchten. Sie verstehen die Kunstwerke nicht, möchten aber einbezogen und über sie aufgeklärt werden. Sie möchten ihr Unbehagen, aber zugleich ihren Lernwillen zum Ausdruck bringen. Dieses Phänomen trifft ebenso bei Kindern wie bei Erwachsenen zu. Oft sind die Zeiträume der Ausstellungen derart knapp bemessen, dass eine grundlegende kunsthistorische, wirkungsgeschichtliche Auseinandersetzung mit Künstler und Werk nicht möglich sind. Also was tun?

Für die Schnellerfassung helfen die folgenden Fragen:

  1. Unter welchem Gesamtthema stehen die Kunstwerke, besonders wenn es sich um mehrere Werke oder gar Künstler handelt?
  2. Wie steht das Gesamtthema in Beziehung zum christlichen Glauben? Unterstreicht es das im Raum Gewohnte oder fordert es durch einen starken Kontrast zum Widerspruch heraus?
  3. Behandelt das Gesamtthema einen Aspekt, der ohnehin im Raum verborgen ist, dem man sich jedoch noch nie gewidmet hat? In diesem Fall lohnt sich die dauerhafte Aufnahme eines neuen Themas ins kirchenpädagogische Programm. Wenn man schnell ist, können die Kunstwerke als Sprungbrett dafür dienen.
  4. Stören die Kunstwerke räumlich? Farblich? Was sagt diese Störung über den Raum selbst aus? Dass er vielleicht farbenarm oder langweilig ist? Dass er räumlich so einheitlich konzipiert ist, dass jede Addition stört? Dass vielleicht sogar der Glaube hier so einheitlich gelebt wird, dass jede Änderung stört? („Da könnte ja jeder kommen…“)
  5. Ist es möglich, ein oder mehrere Kunstwerke räumlich so wahrzunehmen, dass sie eine Bereicherung zur theologischen Aussage des Raumes darstellen?
  6. Schließlich: Als Kirchenpädagoge/ Kirchenraumpädagoge lernt man Neues hinzu. Die Besucher einzuladen, sich diese Fragen selbst zu stellen und miteinander zu besprechen, kann für beide Seiten erfüllend werden.

*S. Erika Grünewald, „Krachmodern“ – öffentliche Ausstellungen in evangelischen Kirchen. Widersprüche im Verhalten der Kirchen. http://edoc.hu-berlin.de/kunsttexte/2008-4

Grünewald 14. February 2011 Beiträge,Kunst und Kirchenpädagogik/Kirchenraumpädagogik Keine Kommentare Trackback URI

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