Mohn

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Mohn auf einem Kapitell der Heiligkreuz-Kirche, Berlin, 1888

Es ist verlockend, Mohn auf Grund der roten Farbe des Klatschmohns mit dem Blut Christi gleichzusetzen. Weil der Mohn auch gern auf den Kornfeldern blüht, haben Christen ihn mit dem Abendmahl in Verbindung gesetzt. Doch die Symbolik des Mohns geht tiefer. Bereits in der Antike war der Mohn das Attribut von Hypnos, dem Gott des Schlafes sowie von Morpheus, dem Gott des Traums und der Nacht. Unter den Dichtern der Romantik war Opium – das Derivat des Mohns – als Geist erweiterndes Mittel beliebt. Mediziner priesen Opium als Allheilmittel u. a. gegen Einschlafstörungen, Depression, Krebs und Husten. In England wurde der Anbau des Weißen Mohns sogar mit Gold prämiert. Unter dem Begriff “Syrup of Poppies” wurden vor allem die schlaffördernden Eigenschaften gepriesen. In Deutschland (und weiteren europäischen Ländern) gab es ein ähnlich reges Interesse am Mohn.

In dieser Eigenschaft kam der Mohn auf die Grabsteine des 19. Jahrhunderts. Der Schlaf, von dem man wieder aufwacht, wurde zum Symbol für die Auferstehung Christi.

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Mohnkapsel auf Grabsteinen (Kapitell im Nikolai-Friedhof, Aufsatz am Hallischen Tor, Berlin, Mitte 19. Jh.)

Kirchenpädagogen und Kirchenraumpädagogen, die einen Kirchhof in der Nähe ihrer Kirche mit einbeziehen, finden mit etwas Glück auch Mohnkapsel  an den Grabsteinen.

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Terracotta Grabstein, Hallisches Tor, Berlin, spätes 19. Jahrhundert

Grünewald 3. February 2012 5. Ikonographie,7. Friedhöfe Keine Kommentare Trackback URI

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