Warum ein Apfel, Eva?

Die Bildsprache von Baum, Frucht und Blume

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Margarethe Schmidt

Jedes Ikonographie Lexikon stellt einen besonderen Ausschnitt der zahllosen Möglichkeiten dar. Es gibt allein zur christlichen Ikonographie umfangreiche Werke (8 Bände von Herder, 15 bei Parthas), oder auch ein Band zu einem Einzelwerk (Dürers Melancholia von Erwin Panofsky). Die Auswahl kann mit der Antike beginnen (und dort bereits auch enden), sich allein mit der Offenbarung beschäftigen (die selbst in modernen Kirchen noch vielfach bildwirksam ist) oder versuchen, einen Pfad durch das Dickicht zu schlagen.

Im vorliegenden Band wird einem interessierten Publikum der Zugang zur Pflanzensymbolik der mittelalterlichen Bildwelt ermöglicht. Damit werden bereits zwei Parameter genannt, die diesem Buch ihren Zuschnitt geben: Es geht um die Symbolik, die in der mittelalterlichen Kunst allgegenwärtig ist – man denkt unwillkürlich an die frühere Chichita Werbung: „Nenn’ nie eine Banane nur Banane“ – und beschränkt sich auf Bäume, Frucht und Blume. Ein besonderes Merkmal ist, dass anstatt 1 bis 2 unverwandte Seiten hintereinander zu reihen, das Buch sein Thema „Baum“ umfassend vorstellt: Von der Mythologie und der Verbindung mit einer Gottheit, hin zur Theologie des Baumes in der Bibel und dem Wandel in der Baumdarstellungen vom frühen bis zum späten Mittelalter. Erst dann folgen die Einzelbäume. Ähnliches wird beim Blumenbild unternommen, wenngleich nicht so umfassend wie beim Baum; hier beschränkt sich die Einführung auf das Hohelied. Die Blumen selbst beschränken sich weitestgehend auf die gängigen Marienblumen: Akelei, Erdbeere, Lilien, Nelke, Pfingstrose, Rose und Veilchen; mit aufgenommen sind Märzenbecher, Maiglöckchen und Gänseblümchen.

Ein aufschlussreiches, angenehm zu lesendes Buch, besonders für Kirchenpädagogen und Kirchenraumpädagogen, die viel in gotischen Räumen arbeiten.

Margarethe Schmidt, Warum ein Apfel, Eva? Die Bildsprache von Baum, Frucht und Blume

Schnell & Steiner, 2000.

ISBN: 978-3-7954-1304-0, € 16,90

Grünewald 16. July 2012 Ikonographie Keine Kommentare Trackback URI

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