Friedrich Weinbrenner 1766–1826: Architektur und Städtebau des Klassizismus

Ausstellung der Städtischen Galerie Karlsruhe und des saai | Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau am KIT

27. Juni – 4. Oktober 2015 

Zum 300. Stadtjubiläum von Karlsruhe präsentieren das Südwestdeutsche Archiv für Architektur und Ingenieurbau am KIT (saai) und die Städtische Galerie Karlsruhe eine ebenso außergewöhnliche wie faszinierende Ausstellung zum Lebenswerk von Friedrich Weinbrenner. Wie kein anderer hat dieser berühmte Baumeister und Stadtplaner des Klassizismus das Erscheinungsbild von Karlsruhe bis heute geprägt.

 

Über 400 originale Exponate – teilweise noch nie gezeigte Leihgaben aus Karlsruher Sammlungen und aus dem Architekturarchiv der University of Pennsylvania (Philadelphia, USA), künstlerisch aquarellierte Baupläne, historische Fotografien, detailreiche Modelle und digitale Rekonstruktionen – vermitteln ein eindrucksvolles Bild des Architekten und seines Lebenswerkes. Im Mittelpunkt steht Weinbrenners Wirken in Karlsruhe. Ein zweiter Akzent liegt auf seinem Schaffen außerhalb der Residenzstadt. Als Leiter der groß-herzoglichen Bauverwaltung prägte er die Architektur in ganz Baden, von der Dorfkirche über Schulhäuser, landwirtschaftliche Güter und Forsthäuser bis hin zur Architektur der Kurbäder. Und weit über Baden hinaus war er ein gefragter Spezialist für den Theaterbau, von Schaffhausen bis Hannover und von Düsseldorf bis Leipzig.

 Für Kirchenpädagogen unbekannt: Die Wirkung der Weinbrenner-Klassik auf sakrale Architektur

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 Evangelische Stadtkirche am Marktplatz Karlsruhe mit flankierenden Bauten für das Lyceum, 1803–1825, perspektivische Ansicht (Stadtarchiv Karlsruhe)

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Katholische Kirche St. Stephan, Karlsruhe, 1808–14, perspektivische Ansicht mit ursprünglich geplanten

Nebengebäuden (saai | Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau am KIT)

Weinbrenner wurde 1766 als Sohn eines Zimmermanns in Karlsruhe geboren. Hier konnte er nach Studien- und Reisejahren im In- und Ausland seit 1800 ein Vierteljahrhundert lang sein herausragendes städtebauliches und baukünstlerisches Talent entfalten. Als die kleine Fürstenresidenz Karlsruhe 1806 zur Hauptstadt des neuen Großherzogtums Baden aufstieg, verlieh Weinbrenner als einflussreicher Baudirektor diesem rasanten Wandel einen nachhaltigen architektonischen Ausdruck. Trotz bescheidener Mittel und politisch unruhiger Zeiten gelang es ihm, die barocke Planstadt im Sinne des Klassizismus auszubauen, für die veränderten Bedürfnisse eines neuen Zeitalters funktionsfähig zu machen und zugleich ein einheitliches Stadtbild von b

Weinbrenners persönlicher Stil in Anlehnung an die römische Antike, an Palladio und an die französische Revolutionsarchitektur – verbreitet nicht zuletzt durch eigene theoretische Schriften und Lehrbücher – machte Schule und wurde nicht nur für die Baupolitik im gesamten Großherzogtum vorbildlich. Aus dem ganzen deutschsprachigen Raum strömten Schüler in Weinbrenners private Bauschule am Ettlinger Tor, die zu einer Keimzelle für die Technische Hochschule Karlsruhe, das heutige KIT, werden sollte.

Die umfassende monografische Jubiläumsschau zu Weinbrenners Lebenswerk, kuratiert vom Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau, ist die erste seit 1977 und übertrifft die frühere Präsentation bei Weitem. Der Rundgang durch die Ausstellung führt durch elf Abteilungen:

1. Vom Zimmermann zum Oberbaudirektor – Weinbrenners Leben

2. Architektur als Monument – Weinbrenners Idealentwürfe aus Italien

3. Vom Schloss zum Ettlinger Tor – Weinbrenners neues Zentrum von Karlsruhe

4. Karlsruhe wächst – Weinbrenners Stadterweiterung

5. Neue Aufgaben – Weinbrenners Bauen für den Karlsruher Alltag

6. Gleichmaß und Individualität – Weinbrenners Wohnhausbau in der Planstadt

7. Dominanz und Einpassung – Weinbrenners Monumentalgebäude für Karlsruhe

8. Architektur und Natur – Weinbrenners Karlsruher »Gartenreich«

9. Staatsbauten in Baden – Weinbrenner als Badischer Baudirektor

10. Bauen außerhalb von Baden – Weinbrenner als geschätzter Spezialist

11. Lehre und Wirkung – Weinbrenners Bauschule

Der umfangreiche Katalog mit wissenschaftlichen Beiträgen namhafter Autoren und zahlreichen Abbildungen erscheint im Michael Imhof Verlag (ca. 480 Seiten, € 29.80 an der Museumskasse).

 Die Ausstellung wird großzügig unterstützt vom Gewinnsparverein der BBBank und von der Architektenkammer Baden-Württemberg. emerkenswerter Klarheit und Ebenmaß zu realisieren.

Grünewald 20. July 2015 2.5. Klassizismus Keine Kommentare Trackback URI

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