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Ausstellung: Schrei nach Gerechtigkeit – Leben am Mittelrhein am Vorabend der Reformation

Im Bischöflichen Dom- Und Diözensanmuseum Mainz. Bis zum 17. Januar 2016

 

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Teufel mit Seele
Teil der Kreuzigungsgruppe vom Friedhof t. Ignaz, Mainz
wohl Peter Schro, Mainz, 1519
Sandstein, Tuff, Fassung, 45 x 33,5 cm
© Mainz, Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz

Die Gerechtigkeit lit in grosser Not / die Wahrheit ist geschlagen dot. Mit diesen bitteren Worten beginnt die sog. „Gerechtigkeitsspirale“, die Inschrift einer 1510 in Kiedrich aufgestellten Kirchenbank, in der der Herrschaftsvertreter des Mainzer Erzbischofs Platz zu nehmen hatte. In einer Zeit, die geprägt war von Armut, Krankheit und der ständigen Furcht vor Hölle und Fegefeuer erhebt um 1500 die Bevölkerung am Mittelrhein verstärkten Anspruch auf Wohlstand sowie soziale und politische Selbstbestimmung. Auf diesen Ruf nach gesellschaftlicher und religiöser Gerechtigkeit antworten die Mainzer Erzbischöfe mit einer „Wirtschafts- und Bildungsoffensive“. Mit der Gründung der Mainzer Universität 1477 hält die humanistische Bildung Einzug und erfasst Laien und Kleriker gleichermaßen. In Kloster Eberbach entsteht das für die Ausstellung in Teilen nachgebaute – größte Fass der Welt mit einem Fassungsvermögen von über 70.000 Litern. Ton wird zum wichtigsten Material der mittelrheinischen Skulptur. Unter Verwendung von Modeln entstehen erstmals auf moderne Weise seriell geformte Werke der Kleinkunst. 

Durch diesen wirtschaftlichen Aufbruch entwickelt sich unter der „Regierung des Krummstabes“ eine der Innovativregionen des Reiches, die in der Sonderausstellung „Schrei nach Gerechtigkeit“ umfassend vorgestellt wird. Auf 2.000 qm beantworten ca. 220 hochkarätige, z.T. noch nie gezeigte Werke der Schatz- und Textilkunst, der Buch- und Tafelmalerei sowie der Skulptur die Frage nach den Lebensverhältnissen am Vorabend der Reformation am Mittelrhein.

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages.

 

Madonna. Frau – Mutter – Kultfigur

Landesmuseum Hannover, bis 14. Februar 2016

 Kaum eine Frau hat die Menschheit bis heute so bewegt wie Madonna. In der Bibel nur eine Randfigur wurde sie in der Spätantike zur „Gottesgebärerin” erhoben und erlebte dann als einzige Frau der Heiligen Familie eine große Verehrung. Zahllose Bildwerke aus über 1500 Jahren legen davon Zeugnis ab, zeigen aber auch, daß das Bild der Gottesmutter wandelbar ist.

 

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 Peter Paul Rubens, Madonna mit stehendem Kind, Bildrechte: Landesmuseum Hannover

Mit hochkarätigen Leihgaben aus internationalen Museen, darunter London, Rom, Wien oder Berlin, beginnt die Ausstellung bei den Vorläuferinnen der Maria: Nicht nur die ägyptische Isis spielte Patin bei der Schöpfung der Madonna, auch die vielbrüstige Artemis von Ephesos, die anatolische Kybele, die zyprische Aphrodite und andere Muttergottheiten tragen Eigenheiten in sich, die in der späteren christlichen Verehrung wieder auftauchen.

 

In Gemälden und Skulpturen feiert die Madonna in den folgenden Jahrhunderten einen Siegeszug. Seit der Spätantike repräsentiert sie für die Christen das weibliche Ideal an sich, das von sexueller Reinheit und der Mutterschaft bestimmt wird.

 

Neben der klassischen Marienfigur mit Kind finden sich auch Bilder, die von dem Modellcharakter der Heiligen Familie zeugen. So zeigt die Gegenüberstellung von Rubens´ “Madonna mit dem stehenden Kind” und dem Portrait „Ottchen mit Mutter” von Lovis Corinth, wie nicht nur das zeitgenössische Schönheitsideal die Madonnendarstellungen bestimmte, sondern die Madonna ihrerseits auch in intime Familienbilder Eingang fand.

 

In der Gegenwartskunst ist Maria wieder eine willkommene Folie für das Weibliche. Ein Wegbereiter war Kurt Schwitters, der Raffaels berühmte Sixtinische Madonna als Bildträger benutzt und mit Werbematerial und Zeitungsauschnitten überklebt hat, so dass die sakrale und die profane Ebene untrennbar ineinander fließen. Thomas Bayrles Madonna setzt sich aus kleinen Mercedes-Bildern zusammen und sakralisiert damit den Kommerz bzw. kommerzialisiert das Sakrale. Auch Julia Krahns Selbstportrait mit einem leeren Tuch im Arm zitiert das Marienbild und verweist so auf die Kinderlosigkeit zahlreicher Frauen in der Gegenwart.

 

Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm mit Einzelthemen, die für Kirchenpädagogen und Kirchenführer interessant sind.

Grünewald 24. June 2014 Keine Kommentare Trackback URI

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