Archiv für das Tag 'Kirchenführer'

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Synagoga und Ecclesia der Herz-Jesu-Kirche im Prenzlauer Berg

Kirchenpädagogen und Kirchenführer haben stets Schwierigkeiten mit Darstellungen der Synagoga und Ecclesia, da die Synagoga ab dem Ende des Mittelalters zunehmend negativer, judenfeindlicher porträtiert wurde. Dies war nicht immer so. Zu Beginn dieser Ikonographien erschienen die beiden Frauenfiguren als gleichberechtigte Geschwisterköniginnen.

Die Katholische Akademie Berlin bietet in Kooperation mit der Katholischen Kirchengemeinde Herz Jesu nun einen Vortrag zu dem Thema an, und zwar am

Montag, 8. Juni 2015 um 20:00h in der Herz-Jesu-Kirche im Prenzaluer Berg, Fehrbelliner Straße 99, Berlin.

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Die 1897-1898 gebaute Herz-Jesu-Kirche verfügt über überlebensgroße Darstellungen der beiden Figuren und ist somit ein geeigneter Ort für diesen Vortrag.

Geschrieben von Grünewald am 9. April 2015 | Abgelegt unter 5. Ikonographie | Keine Kommentare

Kapernaum Kirche, 1961, Hamburg-Horn

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Die Kapernaum Kirche in Hamburg-Horn, die nach ihrer Entwidmung in eine Moschee verwandelt werden soll, gerät hierdurch wieder in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Diese Entscheidung lag allerdings nicht mehr in den Händen der Gemeinde, die den Grundstück bereits 2005 an einen Kaufmann verkauft hatte, der hier altersgerechte Wohnungen und einen Kindergarten bauen wollte. Nachdem diese Pläne verworfen wurden, stand die Kirche wieder lange Zeit leer.

Die Kirche ist nicht mehr kirchenpädagogisch zu bespielen. Doch können Kirchenpädagogen und Kirchenführer durch eine Analyse des 1961 von Otto Kindt (1909-2006) gebauten Gotteshauses die 1960er Jahre besser verstehen. Kirche und Turm bestehen aus einem Rahmen von Betonelementen, deren Zwischenflächen mit Backstein gefüllt sind. Ein Merkmal vieler Kirchen dieser Zeit sind die großen Flächen, die weder durch Ornament noch Öffnungen unterbrochen werden. In dieser Hinsicht setzen sie die Strömungen fort, die die Neue Sachlichkeit bereits vor dem Zweiten Weltkrieg geschaffen hatte, jedoch im Dritten Reich unterbunden wurden.

Ein weiteres Merkmal der frühen 1960er Jahre sind die Fenster, die erst sehr hoch über den Köpfen der Kirchgänger ansetzen. Immer wieder gibt es bunt-farbige Fenster von wunderbarer Komplexität und Ikonographie, die jedoch keinen Blick in die Außenwelt erlauben. Ikonographisch-theologisch gesehen betont diese Gestaltung den Bezug auf den Himmel und auf die Grundsätze des Glaubens, eine Betonung, die vielerorts im Nachkriegsdeutschland zu finden ist. Am Beispiel der Kapernaum Kirche sieht man wie der hohe “Himmelsband”, der um die Kirche läuft, hinter dem Altar zum Boden herunter gezogen ist, dem Ort, an dem Gott sich Menschen in Form des Abendmahls begegnet (s. Bilder oben).

 

kapernaum-fenster-web-dsc02.jpg Ein weiteres Merkmal der frühen 1960er Jahre ist die völlige Ablehnung herkömmlicher Formen. Von besonderer Bedeutung in der Kapernaum Kirche ist die Verwendung des Rhomben. Durch die gesetzten Betonelementen sind Hunderte von Mini-Bildern entstanden, ein jedes welches allein für sich bestehen könnte.

kapernaum-fenster-2-web-dsc.jpg Schaut man ikonographisch auf kleinere Gruppen der Teilfenster, entstehen Aussagen über die christlichen Inhalte. Hier sind unschwer der Eingang zum Grab zu erkennen wie auch die darüberliegende Kuppel, die für den christliche Kirche steht.

Siehe im Vergleich hierzu die Christus-Kirche in Berlin-Kreuzberg.

Geschrieben von Grünewald am 14. February 2013 | Abgelegt unter 1961 Kapernaum | Keine Kommentare

Pinienzapfen – eine Herausforderung für Kirchenpädagogen und Kirchenführer

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Der Pinienzapfen unterliegt einer jahrhundertelangen Geschichte. Im antiken Griechenland galt er gleich mehreren Göttern als Attribut: auf Grund seiner Form und der vielen Kerne wurde er Symbol der Fruchtbarkeit, aber auch des Heilens. Im antiken Rom befand sich ein über 4 Meter hoher Pinienzapfen aus Gussbronze in der Nähe des Pantheons, welcher dem ganzen Viertel seinen Namen gab: Pinienviertel. Beim Bau der Alten Peterskirche in Rom wurde der bronzene Pinienzapfen – unter leicht veränderter Symbolik – in den Vorhof gesetzt. Dort stand er bis zum Bau des heutigen Petersdom in Rom, als er in einen Nebenhof verlegt wurde. Die zentrale Lage des Pinienzapfens und das Sinnbild der Kirche (Vielfalt in der Einheit) führten zu einer bis heute kaum zu überbietende Popularität des Motivs. Links ein Gipsguss,  heute in vielen Bau- und Gartenmärkten zu finden. Rechts auf einem Friedhofszaun, Anfang des 20. Jahrhunderts; die Form zeigt die Strenge des Art Déco.

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Links: Mehrere Pinienzapfen auf einem Kapitell der Tabor-Kirche in Berlin-Kreuzberg (um 1900), die einen romantisierenden, Heimat-Touch durch die Zugabe von Nadeln und Waldpilzen bekommen haben. Rechts: das Motiv gewinnt zunehmend einen dekorativen Charakter, losgelöst von aller christlichen Deutung. Hier: Teil des Eisengusszauns um das Rote Rathaus in Berlin-Mitte herum.

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Je weiter sich der Pinienzapfen von der tradierten christlichen Ikonographie entfernte, desto unklarer wurde auch seine Form, besonders ab 1900. Links: Der Pinienzapfen im Treppenhaus der Passionskirche in Berlin-Kreuzberg verliert seine angestammte Herkunft und ist von artfremden Blättern eingefasst. Heute sieht man vielfach Pinienzapfen, die eher an Artischocken, Ananas oder sonstigen Schuppenfrüchte erinnern. Ein besonders amüsanter Fund ist der Abschlussknauf an einem Bett des 20. Jahrhunderts, rechts.

Geschrieben von Grünewald am 30. January 2013 | Abgelegt unter 5. Ikonographie | Keine Kommentare

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