Archiv für das Tag 'Kirchenführungen'

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BERNWARDS SCHÄTZE

Die 1000-jährige Feier der Gründung von St. Michaelis in Hildesheim wurde bis Mai 2010 von einer Sonderausstellung begleitet. Dazu gab es museumspädagogische Anregungen von Nicole Moustafa, M.A. , die auch in anderen romanischen  Kirchen anwendbar sind. Hier zeigt sich die Nähe von Kirchenpädagogik und Museumspädagogik

St. Michael in Hildesheim gehört als Schlüsselbau der Architektur um das Jahr 1000 und aufgrund seiner bedeutenden hochmittelalterlichen Ausstattung zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Das 1000jährige Jubiläum der Grundsteinlegung lenkt den Blick zurück auf die Gründungsepoche und den berühmten Stifter des Klosters Bischof Bernward von Hildesheim, der St. Michael zu seiner Grablege bestimmte und bereits damit seine besondere Verbundenheit mit dieser Stiftung dokumentierte.

Einmalig in Europa ist, dass über alle Wirren der Jahrhunderte hinweg große Teile der Gründungsausstattung der Kirche erhalten geblieben sind, darunter die bronzene Christussäule, die aus Anlass des Jubiläums nach St. Michael zurückkehren wird.

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    Bernwardkruzifix

Im Dom-Museum Hildesheim werden unter dem Titel „Bernwards Schätze“ die hochbedeutenden Stiftungen Bernwards für St. Michael präsentiert, die nach der Aufhebung des Klosters zum großen Teil in den Domschatz gelangten und so für Hildesheim gerettet werden konnten. Dazu gehören die silbernen Bernwardleuchter, das silberne Bernwardkruzifix und das sog. Kostbare Evangeliar mit dem berühmten Stifterbild, das Bernward für den Marienaltar in der Krypta bestimmt hatte. Die von Otto III. geschenkten Kreuzpartikel, die seit dem 12. Jahrhundert im kostbaren sog. Bernward-Kreuz geborgen sind und die Reste des Kanakruges gehören zu den Gründungsreliquien. Illustrierte Evangeliare und weitere liturgische Handschriften, wie das nach dem Schreiber Guntbald benannte Sakramentar waren ebenso Teil dieser Ausstattung wie die Bernward-Bibel, eine der ganz wenigen Vollbibeln ottonischer Zeit.

Aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel werden dem Dom-Museum zwei weitere bernwardinische Handschriften aus St. Michael als Leihgaben überlassen, darunter der erst kürzlich mit Unterstützung von Stadt und Bistum Hildesheim für die Herzog August Bibliothek aus Privatbesitz erworbene Bernward-Psalter, der erstmals seit der Bernwardausstellung 1993 in Hildesheim zu sehen sein wird.

Digital erstelltes Modell macht durch neue Technik den räumlichen Gebrauch der Kirche wieder sichtbar

Ein auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse erstelltes Modell der Michaeliskirche mit ihren liturgischen Orten und den monumentalen Ausstattungsstücken der Gründungszeit ergänzt diese Präsentation eines einmaligen Ensembles einer mittelalterlichen Kirchenausstattung. Die Innenansicht des Modells stellt die liturgische Landschaft der mittelalterlichen Mönchskirch dar. Die Architektur ist ganz eng auf die Liturgie eingegangen, die sich als ein komplexes Zusammenspiel dreier vrschiedener “Kirchen” erweist. Der Ostchor war den großen Versammlungen der Mönche vorbehalten, davor, am östlichen Ende des Langhauses stand das Kreuzaltar über den Gräbern zum Gedenken der Verstorbenen, während Bänke im westlichen Ende des Langhauses richteten sich auf den Westchor, wo die Messe über dem Grab des Stifters gefeiert wurde und ein Gründungsreliquie des Domes vorhanden war.

Damit bildet die Ausstellung ein wichtiges Pendant zur Michaeliskirche selbst und vermittelt den Besuchern wichtige Informationen zur Gründungszeit, dem Stifter Bischof Bernward und der liturgischen Ausstattung einer mittelalterlichen Klosterkirche.(www.dommuseum-hildesheim.de)

Museumspädagogisches Angebot zur Sonderausstellung Bernwards Schätze

Referentin: Nicole Moustafa, M.A.

Wie stifte ich eine Kirche?

Diese Führung richtet sich an SchülerInnen der Klassen 3 – 4.

Wer konnte im Mittelalter Kirchen stiften und warum tat man dies überhaupt? Was musste ein Stifter bei seinem Vorhaben bedenken und welche Probleme konnten auftreten? Diese Fragen bilden den Rahmen der Führung und werden anhand ausgewählter Exponate verdeutlicht.  

Bernwardus presul fecit hoc – Sinn und Zweck einer Kirchenstiftung und ihrer liturgischen Ausstattung im Mittelalter

Diese Führung richtet sich an SchülerInnen der Klassen 7 – 10.

Bischof Bernward von Hildesheim ist uns noch heute als Stifter seiner Grablege St. Michael sowie zahlreicher Kunstwerke bekannt. Doch was bewog ihn dazu? Diese Frage bildet den Mittelpunkt dieser Führung. Die SchülerInnen bekommen anhand ausgewählter Exponate nicht nur deren Zweck, sondern auch die Gedanken, die hinter diesen Stiftungen stehen vermittelt.

St. Michael zu Hildesheim – Romanischer Kirchenbau und dessen liturgische Ausstattung

Diese Führung richtet sich an SchülerInnen der Klassen 11 – 13 und interessierte Erwachsene.

Anhand des in der Ausstellung zu sehenden Modells von St. Michael in Hildesheim wird die Architektur romanischer (Kloster-)Kirchen sowie ihre liturgische Ausstattung veranschaulicht.

Kreativ-Einheiten

Die Kreativ-Einheiten richten sich an SchülerInnen der Klassen 3 – 7.

Im Anschluss an eine Führung kann noch zusätzlich eine Kreativ-Einheit angefügt werden. Je nach Thema der Einheit wird auf dieses während der vorangehenden Führung ein besonderes Augenmerk gerichtet.

KE 1: Wir stellen unser eigenes Siegel/ unseren eigenen Stempel her

KE 2: Wir entwerfen ein eigenes Monogramm

KE 3: Wir stellen Reliquienbeutel für einen besonderen Gegenstand her

Dauer: Führungen: 1 Stunde, Kreativ-Einheiten 30 – 45 Min.

Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von Dr. Claudia Höhl, Dommuseum Hildesheim

Geschrieben von Grünewald am 19. April 2010 | Abgelegt unter Berichte | Keine Kommentare

Bielefelder Kirchensommer

Kirchensommer 2005
Ein Bielefelder Projekt

Bielefeld ist eine traditionell evangelische Stadt in Ostwestfalen. Heute sind noch etwa 50 % der Bevölkerung evangelisch. Die Stadt hat gut 300 000 Einwohner, eine Universität und ist geprägt von textil- und metallverarbeitender Industrie. Seit 1946 ist Bielefeld auch Sitz des Landeskirchenamtes der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Im Kirchenkreis Bielefeld, der die Kirchengemeinden der nordöstlichen zwei Drittel des heutigen Stadtgebietes umfasst, gibt es 36 evangelische Kirchen (Stand 2005). Davon stammen sechs aus vorreformatorischer Zeit. Elf wurden in der Zeit von 1854 – 1935 gebaut, als die Stadt im Rahmen der Industrialisierung wuchs. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen 17 Kirchen dazu, also fast die Hälfte des heutigen Bestandes. Das hat verschiedene Gründe: Erstens kamen sehr viele Flüchtlinge und Vertriebene nach Bielefeld, die (evangelische) Bevölkerung wuchs also, zweitens war genug Geld da. Unterstützt wurde dieser Trend von einem Gemeindeaufbau-Konzept, das die Kirche „im Schlappenbereich“, die man bequem zu Fuß erreichen kann, für wünschenswert hielt.

Dieses Verhältnis von „alten“ Kirchen, Bauten aus dem späteren 19. und frühen 20. Jahr-hundert sowie Kirchen und größeren Gemeindezentren vornehmlich aus der Zeit zwischen 1950 und 1980 ist im übrigen typisch für viele Regionen in der gesamten Landeskirche.

Angeregt durch die Kirchenpädagogik haben wir uns vorgenommen, den Menschen die Kirchen als „andere“ („heilige“) Räume nahe zu bringen. Wichtig war uns dabei besonders, den Blick über die bekannten, geschätzten und vielfach durch Führungsangebote erschlossenen historischen Kirchen hinaus auf die Kirchen der letzten 150 Jahre zu richten. Trotz „großer Zahlen“ sind sie kaum im Bewusstsein.
Deshalb haben wir für den Kirchensommer fünf Kirchen aus verschiedenen Zeiten ausgewählt, nämlich:

  • die Peterskirche in Dornberg. Die idyllisch gelegene, mittelalterliche Dorfkirche ist eine der ältesten Gründungen der Region. Man findet Spuren aus mehreren Jahrhunderten, Malereien, Glocken, einen gotischen Altar, eine barocke Kanzel oder Inschriften, die auf alte Geschlechter verweisen, die ihre Sitze in der Dornberger Kirche hatten. Die Kirche steht in der Reihe für das reiche mittelalterliche bzw. jahrhundertealte Erbe, das wir mit einigen Bielefelder Kirchen besitzen.
Wie man spricht, so schreibt man: Der Posaunenengel von einer Emporenbrüstung des frühen 19. Jahrhunderts in der Peterskirche Dornberg: “Gloria in exselsis Deo” (Dr. Ulrich Althöfer).

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  • die Marienkirche in Jöllenbeck. Sie war 1854 die erste Kirche im heutigen Kirchenkreis, die nach über 300 Jahren neu errichtet wurde. Dazu kam es aufgrund der vom Ortspfarrer Volkening ausgehenden Erweckungsbewegung. Er ließ anstelle der baufälligen alten Kirche außerhalb des Ortes einen neuen Emporensaal in den üblichen Formen des preußischen Rundbogenstils erbauen, in dem die zahlreiche Gemeinde Platz fand. Das historische Kastengestühl mit Platzschildern für Jöllenbecker Familien ist auch nach der jüngsten Renovierung erhalten.
Individueller Erkundungsgang. Alteingesessene Familien stifteten die Altarleuchter zur Einweihung der Marienkirche in Jöllenbeck, 1854. (Astrid Meyermüller).

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  • die Kirche in Brake. Um 1900 entstanden in den wachsenden Außenbezirken der alten Kirchspiele eigene Kirchen, so 1907 in Brake. Der Bielefelder Architekt Joseph Campani, ein konvertierter Benediktinermönch, hat eine höchst interessante Biografie. Im Sinne der Zeit schuf er eine überschaubare Predigtkirche in romanisch inspirierten Formen, die man als besonders würdig für einen Kirchenbau empfand. Vieles zeigt noch heute Campanis Handschrift, einiges ist durch die Umgestaltung von Wolfgang Kreutter in der 1970er Jahren geprägt.
“Tut mir auf die schöne Pforte”: Fein gestaltet ist das neuromanische Hauptportal der Kirche in Brake, 1907. (Dr. Ulrich Althöfer)

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  • die Apostelkirche. Sie wurde 1954 als erste der zahlreichen Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet. Der karge Bau zeichnet sich im Sinne der Zeit durch seine hervorgehobene Lage in einem Grünzug sowie durch eine hochliturgisch geprägte Ausstattung aus, die vor allem auf den Bielefelder Künstler Arnold Rickert zurückgeht.
  • die Johanneskirche in Altenhagen. In den drei Jahrzehnten nach 1945 erhielten die meisten der bis dahin wachsenden evangelischen Kirchengemeinden eigene Kirchen oder Gemeindezentren. Als eine der letzten entstand am östlichen Stadtrand 1970 die Johanneskirche nach Entwürfen von Gerhard Langmaack. Sie ist Teil eines Zentrums mit Saal, Gruppenräumen, Kindergarten und Wohnungen. Hier treffen sich traditioneller Kirchenbau und der Anspruch niedrigschwelliger Gemeindezentren nach 1968.

Mit folgenden Text haben wir eingeladen:

„Bielefelder Kirchensommer – etwas andere Kirchenführungen mit kunsthistorischem Schwerpunkt.

Kirchen prägen das Stadtbild von Bielefeld. Der Blick von der Sparrenburg auf die Stadt zeigt mindestens zehn Kirchen. In der Innenstadt setzen sie eine Senkrechte in Häuserfronten, in den Außenbezirken sind sie oft Mittelpunkt („die Kirche im Dorf“) und weithin sichtbar. In Bielefeld gibt es einige historische Kirchen, die fast jeder kennt. Aber die meisten wurden im 19. und 20. Jahrhundert gebaut, als Bielefeld zunächst durch die Industrialisierung wuchs und später durch den Zuzug vieler Flüchtlinge. Diese Kirchen erzählen genauso wie die alten Kirchen etwas von ihrer Zeit, davon, wie die Menschen damals lebten, was sie glaubten, was ihnen wichtig war.

Im Bielefelder Kirchensommer möchten wir Ihnen fünf Kirchen vorstellen, jede ist exemplarisch für ihre Zeit. Von Mai bis September, jeweils am ersten Sonntag im Monat von 16 bis 18.30 Uhr, öffnet eine Kirche ihre Türen. Es erwartet Sie eine etwas andere Kirchenführung (lassen Sie sich überraschen!), anschließend gibt es eine kleine Bewirtung in der gastgebenden Gemeinde mit der Möglichkeit zu Nachfragen und Gesprächen.“
Der Teilnehmerbeitrag betrug 4 €.

Die Gestaltung der Führungen lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

Nach frühzeitiger Besichtigung der Kirchen haben wir uns für ein Grundmuster bzw. für wiederkehrende Elemente entschieden:

* Blick von außen / Umgang
* Eingang, dabei „die Schwelle markieren“
* Individueller Rundgang, manchmal mit Erkundungshinweisen oder –aufgaben
* Ruhepause(n), Lieblingsplatz suchen, Musik / Text
* Geführter Rundgang mit Einbeziehung der Erkundungen und Fragen
* Gemeinsame Verabschiedung / Einladung zum Gespräch bzw. zur nächsten Führung
* Erinnerungsstück

Einige Grundsätze waren:

* Ruhiges, langsames Vorgehen, Raum für Beobachtungen und Bemerkungen
* Aufteilung und abwechselnde Gestaltung der Elemente
* Die eigene Erkundung bzw. die Beobachtungen und Fragen der Teilnehmenden stehen im Vordergrund, werden auch beim geführten Rundgang aufgenommen
* Historische oder kunsthistorische Informationen geben, aber: „Mut zur Lücke“
* Einbindung von Kräften aus der Gemeinde: PfarrerInnen oder PresbyterInnen bei Begrüßung und Verabschiedung, beim anschließenden Beisammensein, KirchenmusikerInnen für Musik, in einem Fall „Zeitzeugen“
* Möglichkeit für die Gemeinde, sich einladend und gastfreundlich zu zeigen und sich vorzustellen
* Verzicht sowohl auf experimentelle kirchenpädagogische Elemente als auch auf zu sehr binnenkirchliche Orientierung (Singen, Gebete, Segen)

Dabei gestalteten sich die Führungen im Einzelfall sehr individuell, je nach Raum und besonderem Schwerpunkt der Kirchen.

Bronze, gold und grünes Glas: Das Kreuz des Hamburger Bildhauers Hartwig Ullrich über dem altar in der Johanneskirche in altenhagen (1972) regte zur Diskussion an. (Althöfer)

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Im Rückblick lässt sich zu dem Projekt Folgendes sagen:
Die Teilnehmerzahlen waren sehr erfreulich (zwischen 20 und 50). Kurz gesagt: Je älter die Kirche, desto mehr Personen waren da. Aber immerhin waren es auch 24 bzw. 20 bei den beiden Kirchen der Nachkriegszeit. Der Sommerferientermin im August hatte keinen negativen Einfluss, im Gegenteil.

Die Teilnehmenden standen offenbar sämtlich der Kirche nahe. Wir hätten uns gewünscht, auch Kirchenferne auf diesem Wege zu erreichen. Immer kam eine große Gruppe aus der jeweiligen Gemeinde, aber es gab auch viele „Zugereiste“ und sogar einige „Dauergäste“. Die Reaktionen seitens der Kirchengemeinden waren positiv: Man freute sich über neue Zugänge, Erfahrungen und Informationen, gerade im Falle der „neueren“ Kirchen. Von einigen „zugereisten“ Besuchern erhielten wir die Rückmeldung, dass das „Konzept der individuellen Annäherung“ die Reihe positiv von anderen Anbietern unterscheide.

Die größte Bielefelder Tageszeitung hat das Projekt sehr gut aufgenommen, jedes Mal Vorankündigungen gedruckt und von drei der Führungen ausführliche Berichte mit Fotos gebracht. Hervorragend begleitet wurde das Projekt zudem von der Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises.

Insgesamt hat uns das Projekt viel Arbeit, aber auch viel Freude gemacht. Wir fühlen uns ermutigt, den „Kirchensommer“ auch im Jahr 2006 fortzusetzen. Dabei werden auch andere Personen Führungen übernehmen, z.B. Absolventinnen der Ausbildung für KirchenführerInnen. Den Kirchensommer verstehen wir in diesem Jahr auch als Vorbereitung auf die Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde. Evangelische Kirche und Moderne in Bielefeld“, die von Oktober 2006 bis Januar 2007 im Historischen Museum der Stadt Bielefeld stattfinden wird und sich mit der Geschichte des Kirchenkreises Bielefeld in den letzten 200 Jahren beschäftigt.

Nachtrag 2008
Nach der guten Resonanz des ersten Jahres (2005) folgten noch zwei weitere Kirchensommer in ähnlicher Art. 2006 wurden nur vier Kirchen besucht, da im Juni (Pfingsten) die „Nacht der Offenen Kirchen“ stattfand. In den letzten beiden Kirchensommern hat sich der Kreis der Führenden erfreulicherweise erweitert: 2007 wurden drei der fünf Führungen von AbsolventInnen der landeskirchenweiten Kirchenführerausbildungen übernommen.

Die Teilnehmerzahlen blieben konstant, auch bezüglich der Tendenz, dass die alten Kirchen am besten besucht waren. Bei der letzten Führung 2007 in der nördlich von Bielefeld gelegenen Stiftskirche zu Schildesche waren es 55 (zahlende) Gäste. Damit stieß unser Konzept an seine Grenzen. Nach einem Außenrundgang betraten wir die Kirche „wie die ehemaligen Stiftsdamen“ über die Fräuleinempore, die mit den Besuchern nahezu gefüllt war. Trotz einer ganzen Anzahl historisch und kunsthistorisch bedeutsamer Ausstattungsstücke hatten wir vorgesehen, uns im Folgenden auf die Betrachtung des spätgotischen Schnitzaltars zu konzentrieren. Das ließ sich dann auch mit einer großen Gruppe gut durchführen.

Variationen über das Thema “Epiphanias”? Das festlich farbige Portal der Epiphaniaskirche von Fritz Reuter (1963) stand im Mittelpunkt der Führung in Bielefeld-Vilsendorf. (Dr. Ulrich Althöfer)

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Bemerkenswert war 2006 die Zahl von 29 (zahlenden) Gästen in der 1963 eingeweihten Epiphaniaskirche Vilsendorf. Es wurde deutlich, dass gerade auch jüngere Kirchen der Außenbezirke auf Interesse stoßen können. Während der Führung unter dem Thema „Raum und Licht – Beton und Glas“ haben wir kleine Gruppen verschiedene Themen erkunden lassen. Dabei ergaben sich lebhafte Diskussionen – etwa über den vieleckigen Grundriss des Gebäudes oder vor dem Portal, das mit einer künstlerischen Email-Gestaltung des Künstlers Fritz Reuter versehen ist. Wie in Vilsendorf, haben wir gern auch Musik (durch die örtlichen KirchenmusikerInnen) oder Texte einbezogen.

„Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören“, so sagt man. Die positive Resonanz des Publikums und auch die Kirchen selbst hätten sicher noch eine gewisse Fortsetzung des Kirchensommers erlaubt. Der Ruhestand der Initiatorin (2007) gab den äußeren Anlass, die Reihe nun (vorerst) zu beenden. In einigen der besuchten Kirchen gibt es inzwischen Führungsangebote und AnsprechpartnerInnen. Das Projekt war aus unserer Sicht insgesamt sehr erfreulich. Nun ist die Zeit gekommen, um in Ruhe neue Perspektiven zu entwickeln.

Ulrich Althöfer und Claudia Hülsenbeck zeigen das Abendmahlsgerät von Wolfgang Tümpel in der Apostelkirche, 1965. (Astrid Weyermüller)

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Dr. Ulrich Althöfer, Kunsthistoriker, Baureferat der Evangelischen Kirche von Westfalen / Inventarisierung des kirchlichen Kunstgutes
Claudia Hülsenbeck, Referentin für Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Bielefeld (bis 2007), Mitarbeiterin im Ausbildungsteam für Kirchenführer/innen in Westfalen

Geschrieben von Grünewald am 18. January 2009 | Abgelegt unter Routen | Keine Kommentare