Archiv für das Tag 'Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte'

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Passionsblume

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Passionsblumen am Altar der Passionskirche, Berlin-Kreuzberg
Foto: Erika Grünewald

Die Passionsblume ist ein Neuankömmling in der europäischen Ikonographie, denn die Pflanze wächst in Mittel- und Südamerika und wurde erst mit christlichen Einwanderern bekannt. Entsprechend wird die Blume auch in vielen Ikonographie-Lexika nicht erwähnt, denn sie entstammt nicht dem Mittelalter. Zu Zeiten, in denen der Betrachter stets im Gesehenen einen Bezug zu seiner Religion suchte, erkannten Christen in den Blüten bald die Symbole der Passion Christi. Entsprechend wurde der Blume der Namen Passiflora incarnata verliehen – die Fleisch Gewordene. Die Anordnung der drei Blätter erinnert sofort an die Dreieinigkeit, wie zahlreiche anderen 3-teiligen Blätter der Pflanzenwelt.

Für jedes Detail der außergewöhnlichen Blume wurde eine Entsprechung in der Passionsgeschichte gesucht: Die zehn Blütenblätter symbolisieren die Apostel ohne Judas und Petrus, die Nebenkrone die Dornenkrone, die fünf Staubblätter die Wunden und die drei Griffel (oben) die Kreuznägel. Die Sprossranken sollen auch die Geißeln symbolisieren. Entsprechend der Name Passiflora incarnatalat. die eingeborene, Fleisch gewordene (wie Christus incarnatus).

Besonders im 19. Jahrhundert wurde die Passionsblume gern in kirchlichem Dekor verwendet. Oben zeigt das Bild die zahlreichen Blüten am Altar der Passionskirche in Berlin-Kreuzberg. In der Golgatha-Kirche in Berlin-Mitte (1900; Kirchengemeinde St. Sophien) zeigen die Enden des Kreuzes in der hölzernen Einfassung des Altarbildes (passender Weise die Kreuzigung) Passionsblumen. In der klassischen Ikonographie des Mittelalters wurden hier die vier Evangelistensymbole gezeigt. passionsblume-web-golgatha.jpgAuch zahlreiche Messgewänder zeigen reich bestickte Passionsblüten.

Unten die gängigste Auslegung [1] der Blüte:

1. Zehn Blütenblätter = Apostel ohne Petrus (als Haupt) und Judas (als Verräter)

2. Nebenkrone (violett) = Dornenkrone

3. Fünf Staubblätter (gelb) = die Wunden

4. Drei Griffel (bräunlich, oben) = 3 Kreuznägel

5. Schaft = Säule, an der Christus gebunden wurde

6. Ranken = Geißeln

7. Versuche, auch die Hammer zu sehen

8. Namen: Passiflora incarnata = die Eingeborene, das Fleisch gewordene

[1] Wolfgang Caesar, Roland Spohn: Passionsblume, Kulturhistorische Aspekte einer Arzneipflanze, 1997, Deutsche Apotheker Zeitung, 137. Jahrgang, Nummer 8, Seiten 51-61

Geschrieben von Grünewald am 16. February 2013 | Abgelegt unter 5. Ikonographie | Keine Kommentare

Kirchenpädagogik in reduzierten Räumen. Die Suche nach Themen.

Kirchenpädagogen / Kirchenraumpädagogen stehen immer wieder vor einer Herausforderung bei der Arbeit in “reduzierten” Räumen. Immer wieder wurden reich verzierte Räume nach dem Zweiten Weltkrieg vereinfachend übermalt oder wieder in Stand gesetzt. Als Grund werden noch heute die fehlenden Gelder der Nachkriegszeit genannt. Weniger bekannt ist, dass bauliche Reduktion, die Vereinfachung in Form und Ausstattung des Kirchenraums, bereits mit Schinkel begann und gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung gewann.

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 Matthäus-Symbol, St. Johannis-Kirche, Berlin-Moabit

Foto: Erika Grünewald

Schinkel hatte die Johannis-Kirche in Moabit als eine seiner vier “Vorstadt-Kirchen” in Berlin als einfachen Kasten gebaut, ausgeschmückt und ohne einen Turm. Zwei weitere Kirchen, die Elizabethenkirche (Prenzlauer Berg) und die Nazareth-Kirche (Wedding) sind stark zerstört bzw. entwidmet. Die Paulskirche vermittelt noch eine Idee des ursprünglichen Gedanken des Erbauers. Als die Arbeiterschaft in Berlin-Moabit stark anstieg, wurden Ergänzungen nötig.  Stüler schuf eine Vorhalle, ein Pfarrhaus (links), ein Schulhaus (rechts) sowie eine Kolonnade vor der Kirche, die alles optisch verband. Als Turm errichtete Stüler ein Campanile neben der Kolonnade. Spitta baute den Innenraum um: er verlängerte den relativ kurzen Schinkelbau mit einem Querarm, vor dem ein Rundapsis in Verlängerung des Hauptschiffes angesetzt wurde. Auch das Dach wurde angehoben und mit damals aktuellen Formen (Gusseisen in den Querbindern) versehen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt. Als 1957 Otto Bartning nicht weit entfernt den Hansaviertel plante und beaufsichtigte, hat man ihn dafür gewinnen können, auch die Johanniskirche wieder herzustellen. Entstanden ist ein Raum, der durch kühle Eleganz, raffinierte Ausgewogenheit der Bauelemente und gekonnte Lichtführung besticht. Die Apsis musste gekürzt werden, da auf der Rückseite ein anderes Gebäude errichtet wurde, aber die Seitenschiffe Spittas wurden beibehalten und in Farbe und Form in den Hauptraum integriert. Wer heute im Dach eine Ähnlichkeit zu den Dächern von Bartnings Notkirchen sieht, täuscht sich nicht. Die Querbinder haben dieselbe Form und Bauweise wie sie. Bei der Höhe der Decke vermittelt die dunkle Farbgebung dem Raum eine gewisse Geborgenheit – ein Element der späteren Zeltkirchen, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Wanderschaft der Christen anspielt.

Geschrieben von Grünewald am 19. January 2013 | Abgelegt unter 1835 St. Johannis | Keine Kommentare

Kunstgeschichte und Kirchenpädagogik. Ungelöste Spannungen.

9783936912982.jpg Den ganzen Beitrag lesen »

Geschrieben von Grünewald am 12. April 2012 | Abgelegt unter Kirchenpädagogik | Keine Kommentare