Archiv für das Tag 'Kunstgeschichte für Kirchenpädagogen'

Du befindest dich im Themenbereich von Forum-Kirchenpädagogik.

Vorkriegsformen in Nachkriegskirchen

Um den Bedarf an Kirchen nach den Zerstörungen und Völkerverschiebungen am Ende des Zweiten Weltkriegs abzudecken, wurden Ideen aufgegriffen, die bereits vor 1933 entstanden. Das Resultat waren Kirchen, die, heute betrachtet, bisweilen befremden. Beim Wettbewerb mit der Industrie um die Höhe im städtischen Profil griffen Architekten der 20er Jahren zu Formen, die der Industrie selbst entstammten. Entwürfe für Glockentürme, beispielsweise, zeigen Designs, die sich von  Kohlefördertürmen kaum unterscheiden. Andere griffen unverhohlen zum Schornstein. Diese Entwürfe überlebten den Zweiten Weltkrieg in Schubladen und tauchten in Nachkriegskirchen wieder auf. Für die Kirchenpädagogik stellt sich somit das Datieren einer Kirche als Problem dar. Das nachfolgende Beispiel zeigt die Kirche Zu den Zwölf Aposteln in Hamburg-Lurup. Sie wurde 1957/58 vom Architekten F. Kraft errichtet und mit Glasfenster von Siegfried Assmann ausgestattet. Gleichzeitig zeigt der Glockenturm über deutlich die Entlehnung aus der industriellen Formsprache.

zwoelf-aposteln-hh-web-dsc0.jpg

Zu den Zwölf Aposteln, Hamburg-Lurup, 1957/58, Architekt F. Kraft 

zwoelf-aposteln-innen-web2.jpg

Trapezförmige Decke im Innenraum der Kirche Zu den Zwölf Aposteln

Aber auch andere Teile der Kirche kommen direkt vom Reißbrett der 20er Jahre. Expressionistische Elemente, in ihrer Eignung als würdige Formen für eine Gotteshaus heiß umstritten, prägen ebenfalls den Kirchenbau. Die trapezförmige Decke wurde 1926 von Emil Heynen für die Heilandskirche in Hamburg-Winterhude verwendet und ein Jahr später in der Bugenhagenkirche in Hamburg-Barmbek. Sie erzeugten einen Aufschrei sowohl der Begeisterung als auch der Empörung, denn sie wurde mit einem Tanzsaal oder Kino verglichen. Die Luruper Kirche greift die Trapezform wieder auf. Heynen hat Betonquerbinder verwendet, um den Einraum zu erzeugen. Heute sind wir an diese strukturelle Möglichkeit derart gewöhnt, dass uns der Blick für die bahnbrechende Neuigkeit der 20er Jahre verstellt ist.


 

 

Geschrieben von Grünewald am 29. August 2009 | Abgelegt unter d. ab 1948 | Keine Kommentare

Täuschend echte Wandbemalung

 web-kloster-ruehne Den ganzen Beitrag lesen »

Geschrieben von Grünewald am 12. August 2009 | Abgelegt unter Beiträge | Keine Kommentare

Romanische Kirchen in Waldeck

Lippoldsberg, Twiste, Ober-Werba – Perlen der deutschen Romanik? Dies sind nicht die Namen, die uns spontan einfallen. Dennoch gibt es in der Ferienregion Waldeck im Nordwesten Hessens eine bisher unerkannte Dichte romanischer Kirchen kleinerer und mittlerer Größe. Unter den 38 vorgestellten Dorf-, Kleinstadt- und ehemaligen Klosterkirchen sind einige sogar erst während der Zusammenstellung des vorliegenden Buches (wieder)erkannt worden. Waldeck – das unendekte Land.

romanische-kirche-in-waldec.jpg

Xenia Stolzenburg, Romanische Kirchen in Waldeck

Gut recherchiert, kompetent, aber keineswegs fachlastig geschrieben , stellt das Buch die Kirchen auf 95 Seiten so vor, dass man nach den pertinenten Zeugnissen vergangener Bauzeiten suchen und die Reste gut erkennen kann. Die reizvollen Räume werden mit dem ihnen gebührenden Umfang gewürdigt. Sind wenige Spuren der Romanik noch vorhanden, fällt die Beschreibung kürzer aus, entsprechen die Anlagen eher ihrem ursprünglichen Ausmaß, wird ihnen mehr Raum eingeräumt. Auf die Frage hin, warum  auf derart engem Raum so viele Kirchen romanischer Ausprägung heute noch vorhanden sind, gibt die Autorin Xenia Stolzenburg die Jahrhunderte lange Armut der kargen Region als einen Grund an. Gemeinden konnten es sich nicht leisten, immer größere, modernere Bauten hinzustellen, noch immer mit der Mode mit zu gehen. Stattdessen haben sie liebevoll restauriert oder nach Katastrophen wieder aufgebaut. Das Ergebnis ist eine heute kaum zu glaubende Dichte alter Bausubstanz.

Das Buch lässt sich leicht in die Tasche stecken und sollte weder beim Radwandern, Urlaub noch Wanderungen durch Waldeck fehlen. Eine kleine Karte auf der Coverinnenseite hilft, die Kirchen zu lokalisieren.

Xenia Stolzenburg, “Romanische Kirchen in Waldeck”, Hg. im Auftrag des Waldeckischen Geschichtsvereins e.V. von Jürgen Römer

Berlin/München: Deutscher Kunstverlag 2009, ISBN 978-3-422-02147-1, 96. S, €8,00.

Geschrieben von Grünewald am 28. June 2009 | Abgelegt unter Bücher | Keine Kommentare

Nächste Einträge »