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Die Sprache moderner Kunst

Die Ikonographie des 20. Jahrhunderts hat sich grundlegend weg von der Ikonographie des Mittelalters entwickelt. Das ist mitunter was sie so komplex macht. Nicht festgelegte Inhalte werden durch festgelegte Formen transportiert, sondern Gefühle, Emotionen, Anmutungen fließen seitens des Betrachters mit ein, um eine persönliche Ikonographie zu erzeugen. Ein solch offenes Gespräch kirchenpädagogisch zu begleiten ist schwierig, weil es keine festgelegte Antworten gibt. Es ist aber zugleich anregend, weil man so einen Zugang zur persönlichen Beziehung zu den Inhalten, zum Glauben, zur Kirche allgemein öffnet.

Nikolai Christus

 Ecce Homines von Oskar Kokoschka, Nikolai-Kirche, Hamburg. Foto: Erika Grünewald

Kokoschka hatte zum Thema “Kreuzigung” bereits ein früheres Mosaik geschaffen, “Ecce Homo”, das im ausgebrannten Turm der Alten Nikolai-Kirche am Hopfenmarkt hängt. Im ersten Bild, das übrigens schwarz-weiß gefasst wurde, entsprechen sowohl die Stellung sowohl des Kreuzes als auch die der Schächer der traditionellen Ikonographie. In seinem zweiten Bild, dass Kokoschka nicht mehr “Ecce Homo” (Seht, welch ein Mensch), sondern “Ecce Homines” (Seht, so sind die Menschen) betitelte, werden Größe wie auch  Gleichgültigkeit des Schächers betonter und damit zum Mittelpunkt der Aussage. Der am Kreuz hängende Christus geriet eher in die zweite Reihe. Den ganzen Beitrag lesen »

Geschrieben von Grünewald am 27. June 2009 | Abgelegt unter 1960 Neue Nikolai | Keine Kommentare

Lockenkopf Kapitelle (Ionik)

Obwohl das Kapitell compositum (zusammengesetztes Kapitell) in der barocken Baukunst weite Anwendung erfuhr, wurde auch das ionische Kapitell vielfach eingesetzt. Nicht so üppig  wie das Compositum, verliehen die ionischen Kapitelle einem Altar oder einer Kanzel einen feierlichen, würdigen Ausdruck. Sie betonten die Ecken oder den Übergang von einer Fläche in eine andere besser als die runden Abschlüsse, um die das Auge herumschlüpft.

In der griechischen Antike hatten ionische Abschlüsse lediglich zwei “Rollen”, je eine zu den beiden Seiten, die von vorn nach hinten durchliefen. Der Barock, hingegen, setzte zwei “Locken” gegen einander, so dass vier Ecken entstanden. Das erlaubte “die Quadratur des Kreises” und schuf einen Übergang von der runden Säule zur starken Verkröpfung der Auflage (welcher Art auch immer).

ionische Kapitelle

Detail der Schlüter-Kanzel in St. Marien, Berlin. Foto: Erika Grünewald

Kirchenpädagogisch lässt sich diese Ausformung als Teil der barocken Baukunst suchen. Behilflich wäre der Vergleich mit der antiken Ionik sowie mit einem Kapitell compositum.

Geschrieben von Grünewald am 27. June 2009 | Abgelegt unter Bilder | Keine Kommentare

Die Erotik des Bösen

Geradezu liebevoll wurden manche Details des Barocks herausgearbeitet.  Durch laszive Oberflächen und  haptischen Windungen wird hier das Auge sinnbildlich verführt. In diesen  Details verrrät sich die Liebe zur Dramatik und Überhöhung, die die Kunst des Barocks kennzeichnet. Sowohl die Windungen des Körpers als auch der geradezu freudigen Ausdruck des Schlangenkopfes unterscheiden dieses Reptil vom natürlichen Vorbild.

Epitaphe haben nach der Reformation die mittelalterlichen Nebenaltäre aus dem evangelischen Kirchenraum verdrängt. Diese Schlage mit dem verräterischen Apfel nimmt auf dem dazugehörigen Epitaph den Platz der Predella ein, wo im mittelalterlichen Altar häufig Adam im Limbo oder eine andere Szene der Vertreibung aus dem Paradies gezeigt wurde.

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 Detail aus der St. Marienkirche, Berlin. Foto: Erika Grünewald

Kirchenpädagogisch eignen sich die Schlange und der Apfel als Such-Gegenstände. Auch ein Malblatt lässt sich hierzu erstellen, zusammen mit entsprechenden Texten zur Vertreibung aus dem Paradies. Normalerweise steigt die Symbolik der Epitaphe von unten noch oben an, von Symbolen des Todes bis zu den Symbolen der Auferstehung.

Geschrieben von Grünewald am 27. June 2009 | Abgelegt unter Bilder | Keine Kommentare

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