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Kirchenpädagogik in reduzierten Räumen. Die Suche nach Themen.

Kirchenpädagogen / Kirchenraumpädagogen stehen immer wieder vor einer Herausforderung bei der Arbeit in “reduzierten” Räumen. Immer wieder wurden reich verzierte Räume nach dem Zweiten Weltkrieg vereinfachend übermalt oder wieder in Stand gesetzt. Als Grund werden noch heute die fehlenden Gelder der Nachkriegszeit genannt. Weniger bekannt ist, dass bauliche Reduktion, die Vereinfachung in Form und Ausstattung des Kirchenraums, bereits mit Schinkel begann und gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung gewann.

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 Matthäus-Symbol, St. Johannis-Kirche, Berlin-Moabit

Foto: Erika Grünewald

Schinkel hatte die Johannis-Kirche in Moabit als eine seiner vier “Vorstadt-Kirchen” in Berlin als einfachen Kasten gebaut, ausgeschmückt und ohne einen Turm. Zwei weitere Kirchen, die Elizabethenkirche (Prenzlauer Berg) und die Nazareth-Kirche (Wedding) sind stark zerstört bzw. entwidmet. Die Paulskirche vermittelt noch eine Idee des ursprünglichen Gedanken des Erbauers. Als die Arbeiterschaft in Berlin-Moabit stark anstieg, wurden Ergänzungen nötig.  Stüler schuf eine Vorhalle, ein Pfarrhaus (links), ein Schulhaus (rechts) sowie eine Kolonnade vor der Kirche, die alles optisch verband. Als Turm errichtete Stüler ein Campanile neben der Kolonnade. Spitta baute den Innenraum um: er verlängerte den relativ kurzen Schinkelbau mit einem Querarm, vor dem ein Rundapsis in Verlängerung des Hauptschiffes angesetzt wurde. Auch das Dach wurde angehoben und mit damals aktuellen Formen (Gusseisen in den Querbindern) versehen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt. Als 1957 Otto Bartning nicht weit entfernt den Hansaviertel plante und beaufsichtigte, hat man ihn dafür gewinnen können, auch die Johanniskirche wieder herzustellen. Entstanden ist ein Raum, der durch kühle Eleganz, raffinierte Ausgewogenheit der Bauelemente und gekonnte Lichtführung besticht. Die Apsis musste gekürzt werden, da auf der Rückseite ein anderes Gebäude errichtet wurde, aber die Seitenschiffe Spittas wurden beibehalten und in Farbe und Form in den Hauptraum integriert. Wer heute im Dach eine Ähnlichkeit zu den Dächern von Bartnings Notkirchen sieht, täuscht sich nicht. Die Querbinder haben dieselbe Form und Bauweise wie sie. Bei der Höhe der Decke vermittelt die dunkle Farbgebung dem Raum eine gewisse Geborgenheit – ein Element der späteren Zeltkirchen, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Wanderschaft der Christen anspielt.

Geschrieben von Grünewald am 19. January 2013 | Abgelegt unter 1835 St. Johannis | Keine Kommentare

Vorkriegsformen in Nachkriegskirchen

Um den Bedarf an Kirchen nach den Zerstörungen und Völkerverschiebungen am Ende des Zweiten Weltkriegs abzudecken, wurden Ideen aufgegriffen, die bereits vor 1933 entstanden. Das Resultat waren Kirchen, die, heute betrachtet, bisweilen befremden. Beim Wettbewerb mit der Industrie um die Höhe im städtischen Profil griffen Architekten der 20er Jahren zu Formen, die der Industrie selbst entstammten. Entwürfe für Glockentürme, beispielsweise, zeigen Designs, die sich von  Kohlefördertürmen kaum unterscheiden. Andere griffen unverhohlen zum Schornstein. Diese Entwürfe überlebten den Zweiten Weltkrieg in Schubladen und tauchten in Nachkriegskirchen wieder auf. Für die Kirchenpädagogik stellt sich somit das Datieren einer Kirche als Problem dar. Das nachfolgende Beispiel zeigt die Kirche Zu den Zwölf Aposteln in Hamburg-Lurup. Sie wurde 1957/58 vom Architekten F. Kraft errichtet und mit Glasfenster von Siegfried Assmann ausgestattet. Gleichzeitig zeigt der Glockenturm über deutlich die Entlehnung aus der industriellen Formsprache.

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Zu den Zwölf Aposteln, Hamburg-Lurup, 1957/58, Architekt F. Kraft 

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Trapezförmige Decke im Innenraum der Kirche Zu den Zwölf Aposteln

Aber auch andere Teile der Kirche kommen direkt vom Reißbrett der 20er Jahre. Expressionistische Elemente, in ihrer Eignung als würdige Formen für eine Gotteshaus heiß umstritten, prägen ebenfalls den Kirchenbau. Die trapezförmige Decke wurde 1926 von Emil Heynen für die Heilandskirche in Hamburg-Winterhude verwendet und ein Jahr später in der Bugenhagenkirche in Hamburg-Barmbek. Sie erzeugten einen Aufschrei sowohl der Begeisterung als auch der Empörung, denn sie wurde mit einem Tanzsaal oder Kino verglichen. Die Luruper Kirche greift die Trapezform wieder auf. Heynen hat Betonquerbinder verwendet, um den Einraum zu erzeugen. Heute sind wir an diese strukturelle Möglichkeit derart gewöhnt, dass uns der Blick für die bahnbrechende Neuigkeit der 20er Jahre verstellt ist.


 

 

Geschrieben von Grünewald am 29. August 2009 | Abgelegt unter d. ab 1948 | Keine Kommentare

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Geschrieben von Grünewald am 31. March 2009 | Abgelegt unter d. ab 1948 | Keine Kommentare

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