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Kirchenpädagogik: Spirituelle Führung für Pilger

Kirchenpädagogen und Kirchenraumpädagogen finden im Beitrag von Tessen von Kameke Anregungen für eine spirituelle Führung für Pilger. Sie ist losgelöst vom Jakobsweg und oder spezifischen Kirchen und eignet sich somit für jede Gemeinde, die ihre Kirche zu einem Pilgerort machen möchte.

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Geschrieben von Grünewald am 29. April 2010 | Abgelegt unter 1.9 Spirituelle Führungen,Führungen | Keine Kommentare

Spirituelle Wanderungen – für Kirchenpädagogik und Kirchenraumpädagogik

Die Seele laufen lassen

Pilgertage und spirituelle Wanderungen.

 

muller.jpg  Peter Müller: Die Seele laufen lassen Den ganzen Beitrag lesen »

Geschrieben von Grünewald am 25. April 2010 | Abgelegt unter Bücher | Keine Kommentare

„Wo geht’s denn hier zur Geisterstunde?“

 

Erfahrungen mit einer spirituellen Abendführung in der Drübecker Klosterkirche

Susanne Drewniok und Christoph Rätz

 

Drübeck liegt an der Straße der Romanik am Nordrand des Harzes in der Nähe von Wernigerode. Die Klosterkirche wurde im 10. Jahrhundert gebaut. Zunächst war Drübeck ein Benediktinerinnenkloster, nach der Reformation ein evangelisches Damenstift, und heute beherbergt es als Evangelisches Zentrum das Haus der Stille, das Pastoralkolleg und das Pädagogisch-Theologische Institut der evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen. Tagungshaus, Hotel und Ausflugsziel – die Klosteranlage mit der romanischen Kirche und den historischen Gärten ist inzwischen für viele Menschen zu einem anziehenden Ort geworden. In Gästebucheintragungen finden sich immer wieder Hinweise auf die besondere Atmosphäre der Klosterkirche. Ruhe und Klarheit strahlt sie aus, zeigt aber auch Spuren von Alter und Verletzung.

In den letzten Jahren haben in Städten „Nächte der Kirchen“ das Interesse zahlreicher Besucherinnen und Besucher gefunden. Wahrscheinlich ist es vor allem die Atmosphäre, die Menschen in nächtliche Kirchen zieht. „Kirche im Dunkeln“ ist auch für Kirchenferne ein Angebot, das sie den Kirchenraum einmal ganz anders und vielleicht intensiver erleben lässt.

Unsere Abendführung geht auf das Interesse nach atmosphärisch besonderen Orten ein. Wir verstärken allerdings dieses intensive Erlebnis des Aufenthalts in der dunklen Kirche, indem wir dort Orte aufsuchen, die ein Erleben mit verschiedenen Sinnen ermöglichen (Fühlen, Schmecken, Hören, Schauen). Vorgetragene Texte regen dazu an, diese Orte und ihren christlich-spirituellen Gehalt als persönlich bedeutsam zu empfinden.

Wie soll man solch eine ungewöhnliche Kirchenführung nennen? Die oben zitierte Frage eines Besuchers, „Wo geht’s denn hier zur Geisterstunde?“, zeigt, dass „spirituelle Kirchenführung“ nicht allen verständlich ist und manche dabei wohl eher an „spiritistisch“ denken. Aber dieses Missverständnis nehmen wir in Kauf, denn die Alternativen erscheinen noch weniger geeignet: „Kirchenführung im Kerzenschein“ klingt nach Adventsgemütlichkeit, „Kirchenführung mit allen Sinnen“ nach einer ganzheitlichen pädagogischen Maßnahme und „geistliche Kirchenführung“ erscheint zu eng mit Gottesdiensten verknüpft. Unsere „spirituelle Führung“ ermöglicht den Besucherinnen und Besuchern, an ausgewählten Stationen die Kirche zu erleben, gibt ihnen wenige aber gezielte theologische, ikonographische und kunstgeschichtliche Informationen und eröffnet behutsam persönliche Interpretationsmöglichkeiten.

 An dem Samstagabend im April ist es im Klosterhof um 21.00 Uhr noch nicht ganz dunkel. In der Kirche haben wir alle Treppenstufen mit Lichtern markiert (Schälchen mit Teelichten) und darüber hinaus nur an unseren Stationen einzelne Kerzen angezündet.

 Die Führung beginnt im Hof vor dem Südeingang der Kirche. Wir stellen uns kurz vor, informieren über unser Vorhaben, bitten um Ruhe in der Kirche und kündigen an, nach der Führung für Fragen zur Verfügung zu stehen. Dann betreten wir ruhig die Kirche. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer (zwanzig Personen, überwiegend mittleren Alters, keine Kinder und Jugendlichen) nehmen sich jeweils eine bereitliegende Kerze (Haushaltskerze mit Tropfschutz), zünden sie an und kommen zur 1. Station.

Am alten verwitterten Taufbecken im Querschiff erzählen wir von einer Taufe in der Osternacht und regen zum Erinnern an selbst erlebte Taufen an. „Taufe – Ausdruck einer Entscheidung: Ja, ich möchte zur christlichen Gemeinde gehören. Ja, ich möchte, dass mein Kind zur Gemeinde gehört. Taufe – Anfang eines neuen Weges. Taufe – Bekenntnis zu Jesus Christus. Taufe – Wahrnehmung der Zusage Gottes ‚Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.’ (Jes 43,1)“. Dann laden wir ein, ans Taufbecken zu treten und etwas Wasser auf der Haut zu spüren (Hand oder Stirn). Als fast alle dieser Einladung gefolgt sind, lesen wir ein kurzes Gebet (in Anlehnung an das Lied „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich ruft“): „Gott holt mich aus der Tiefe zum Leben und befreit mich zur Freiheit. Gott zeigt mir den Weg zum Handeln und lehrt mich Reden. Gott lässt mich lachen und verschafft mir freien Atem. Ehre sei Gott und den Menschen Frieden!“

Die 2. Station ist die Engel-Skulptur an der Nordwand des Hohen Chors. Hier erzählen wir vom Propheten Elia, dem in der Wüste ein Engel begegnete: „Steh auf und iss. Du hast einen weiten Weg vor dir. (1. Kö 19,5)“. „Gott ist da für dich – manchmal ganz handfest, wenn wir Stärkung benötigen für den Weg, der vor uns liegt. Ich lade Sie nun ein, ein Stück Brot zu essen, und dabei vielleicht zu überlegen: Wofür brauche ich Stärkung?“ Als alle sich Brot aus dem Körbchen genommen haben, lesen wir: „Gott begleitet mich auf meinem Weg und ist für mich da. Gott stärkt mich und gibt mir Kraft zum Weitergehen. Gott nimmt mir die Schwere und lässt mich wieder Freude spüren. Ehre sei Gott und den Menschen Frieden!“

Dann wird die folgende 3. Station eingeleitet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer suchen sich einen individuellen Platz in der Kirche (sitzen, stehen oder gehen umher). Sie hören drei Stücke einer CD mit gregorianischer Musik (Lieder von Hildegard von Bingen), die vor einigen Jahren in dieser Kirche aufgenommen wurden. Als die Musik nach etwa zehn Minuten verklungen ist, versammeln sich alle in der Vierung.

 Die 4. Station ist der spätgotische Flügelaltar. Er zeigt Christus und Maria als Königspaar auf dem himmlischen Thron, umringt von Aposteln und Heiligen. Die goldene Hintergrundfarbe verweist darauf, dass die dargestellte Szene im Himmel stattfindet. Wir lassen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern etwas Zeit, die Darstellung auf sich wirken zu lassen. „Vielleicht erinnern Sie sich an einen Moment, als Sie dachten: Das ist ein Stückchen Himmel auf Erden!“

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 An der 5. Station, dem Dornbuschleuchter in der Westapsis, erzählen wir von Mose, der am brennenden Dornbusch Gottes Auftrag erhielt (2. Mose 3). „Mose hat sich eingelassen auf die Aufgabe, die er sich nicht gesucht hatte. Trotz aller Bedenken und Ängste hat er Gottes Auftrag angenommen. Er hat ihn ausgeführt auf seine Weise, so, wie er es konnte. Und das war genug. Hier an unserem Dornbuschleuchter zünden Menschen Kerzen an. Hier wird nachgedacht und gebetet, gelacht und geweint. Manch einer gewinnt Klarheit für den eigenen weiteren Weg. Und dann ziehen sie weiter, vielleicht ein bisschen verändert. Und mit Gottes Hilfe ist das genug.“

Nun fordern wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, die Kerzen auf den Leuchter zu stecken, fassen uns an den Händen und verabschieden uns im Kreis mit einem Segen (nach einem irischen Reisesegen): „Gott segne uns den Weg, den wir nun gehen, Gott segne uns das Ziel, für das wir leben. Sein Segen sei ein Licht um uns her und innen in unseren Herzen. Aus unseren Augen strahle sein Licht wie Kerzen, die im Dunkel entzündet werden. Wem immer wir begegnen, wenn wir weiterziehen, ein freundlicher Blick von ihm möge uns treffen. Gott schütze euch. Geht in seinem Frieden. Amen.“

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Anschließend gehen wir zurück zum Ausgang. Die Führung hat etwa 45 Minuten gedauert. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind schnell verschwunden. Einige wenige bleiben, stellen ein paar Fragen zur Geschichte des Klosters und sagen, dass ihnen die Führung gut gefallen hat. Aus der Zeitung hatten sie davon erfahren, waren zum ersten Mal hier und wollen bestimmt wieder kommen. Dann ziehen sie davon. Wir räumen auf, trinken ein Glas Wein und besprechen unsere Eindrücke.

Was haben wir mit der Führung im Dunkeln erreichen können? Wie ist die Kirche erlebt worden? Da nur wenige Gäste im Nachhinein das Gespräch gesucht und uns ihre Empfindungen mitgeteilt haben, bleibt vieles unbeantwortet. Soviel aber: Ablauf und Methodik seien ansprechend gewesen, auch die einzelnen Texte/Meditationen hätten beeindruckt. Wir merken: die Verknüpfung von Lesung und gemeinsamer Handlung bei einer Station kann jene ganzheitliche Erfahrung ermöglichen, die mancher beim „profanen“ Kirchenbesuch vermisst. Der Sinnesreiz hilft und ergänzt dort, wo theologische Inhalte kirchenferneren Teilnehmern unzugänglich bleiben. So können Personen mit unterschiedlichsten Hintergründen mit einbezogen werden. In unserer kleinen Schar fanden sich langjährige Kirchenmitglieder ebenso wie eher säkulare Kulturinteressierte. Beide Gruppen zeigten sich vom Gebotenen gleichermaßen berührt. Wir sind jedenfalls froh, den Gästen einen schönen Abend beschert zu haben und wüssten zu gern, wie es dem Mann gefallen hat, der eine „Geisterstunde“ erwartet hatte!

 

Susanne Drewniok, Dozentin für Religionspädagogik am Pädagogisch-Theologischen Institut Kloster Drübeck.

Christoph Rätz absolvierte im Evangelischen Zentrum Kloster Drübeck ein Freiwilliges Soziales Jahr in Einrichtungen der Denkmalpflege und studiert jetzt Theologie in Jena.

Geschrieben von admin am 31. March 2008 | Abgelegt unter Kirche im Dunkeln | Keine Kommentare