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“Tod” im Barock – eine kurze Darstellung für die Kirchenpädagogik

Himmel hoch jauchzend – zu Tode betrübt.

Zwischen diesen beide Extremen bewegt sich viel Kunst der Barockzeit. Nicht allein der Dreißigjährige Krieg an sich, sondern auch die Tatsache, dass die medizinische Versorgung äußerst rudimentär war, haben die Schrecken des Todes stets vor Augen gehalten. Das Hauptwerkzeug des Feldchirurgen war die Knochensäge – ohne Betäubungsmittel. Kam Wundbrand auf, gab es keine Hoffnung. Zudem grassierte einmal mehr die Pest. Der einfache Soldat wurde meistens auf dem Schlachtfeld vergraben, ohne bleibendes Grabmal. Erst im 19. Jahrhundert erreichte das wachsende Bewusstsein der bürgerlichen Bevölkerung, dass den Verstorbenen zumindest ein Gedenkort errichtet wurde – die Tafel der Gefallenen, die noch heute in vielen Kirchen zu sehen sind. Sie werden aus heutiger Sicht als “kriegsverherrlichend” abgelehnt, werden nach ausschließlich jener Auffassung jedoch falsch verstanden. Sie stellen die erste Möglichkeit der breiten Bevölkerung, endlich einen Ort der Trauer zu haben.

Bei der unten stehenden Todesdarstellung handelt es sich um den Tod einer Ehefrau, die in 16 Jahren Ehe 11 Kinder geboren hatte – von denen 7 bereits vor ihr gestorben waren. Vielerorts gab man dem Neugeborenen erst nach zwei Jahren einen Namen – wenn man sicher war, dass es überleben würde. Umgekehrt erreichte die überwiegende Zahl der Kinder ihre Volljährigkeit als Halb- oder Vollwaisen. Zu Zeiten Louis XIV betrug die Lebenserwartung 25 Jahre.

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Todesdarstellung auf einem Epitaph der St. Marienkirche, Berlin

Auf der anderen Seite ist eine geradezu obsessive Beschäftigung mit der Todessymbolik auffällig. Die unter “memento mori” Den ganzen Beitrag lesen »

Geschrieben von Grünewald am 2. September 2009 | Abgelegt unter Beiträge | Keine Kommentare

Ikonographie oft mehrdeutig

Auch wenn Nachschlagewerke zur Ikonographie den Eindruck der Klarheit vermitteln wollen, sind Attribute (Symbole, die auf andere Inhalte hinweisen) oft nicht eindimensional. Im nachfolgenden Detail aus einem barocken Epitaph hält ein Engelchen (Putto) eine Sichel und ein Büschel Korn in der Hand. Da es sich auf einem Epitaph befindet, weist die Sichel auf den Tod hin. Die Ähren, jedoch, sonst schnell mit dem Abendmahl in Verbindung gebracht, werden in derselben Hand gehalten. Diese Zusammenstellung erhöht die Bedeutung zur Frage nach “der Ernte”, nach dem Ertrag des Lebens des Verstorbenen. Dass sein Leben “ertragreich” und “siegreich” war, deutet der nach oben gerichtete Blick des Putten an.

Es gibt in diesem Zusammenhang eine erweiterte Bedeutung für die Kornähren. In dieser Zusammenstellung – auf einem barocken Epitaph – symbolisieren sie zudem die Auferstehung Christi und somit auch die Hoffnung auf die Auferstehung des Verstorbenen. Überhöht wird die Bedeutungsspielerei dadurch, dass der Verstorbene der Familie Korn angehörte.

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Sichel und  Korn auf dem Epitaph der Familie Korn

Für Kirchenpädagogen empfehlen sich daher Ikonographie-Lexika, die nicht nur Symbole deuten, sondern auch deren zeitlichen Wandel und Kontext erläutern.

St. Marienkirche, Berlin, Foto Erika Grünewald 2009

Geschrieben von Grünewald am 14. August 2009 | Abgelegt unter Bilder | Keine Kommentare